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Alter, Vektor, Dosierung oder Geschlecht?

Nebenwirkungen bei der Corona-Impfung – was sind die Gründe?

Derzeit wird viel spekuliert, was die seltenen und ungewöhnlichen Thrombosen nach der Covid-19-Impfung auslösen könnte. Zum einen stehen die Vektoren unter Verdacht. Aber auch über eine zu hohe Antigendosis wird diskutiert – auch mit Blick darauf, dass mehr Frauen unter Impfnebenwirkungen leiden.
Daniela Hüttemann
22.04.2021  11:00 Uhr

Erst Astra-Zeneca, dann Janssen: Gemeinsam ist beiden Covid-19-Impfstoffen, dass sie mit den seltenen und eher ungewöhnlichen Sinusthrombosen zum Teil vergesellschaftet mit einer Thrombozytopenie in Verbindung gebracht werden. Beide nutzen ein Adenovirus als Vektor. Bei Vaxzevria® (ChAdOx1) von Astra-Zeneca ist es ein Schimpansen-Adenovirus, bei der »Covid-19 Vaccine Janssen« (Ad26.COV2-S) ein humanes Adenovirus vom Typ 26. Adenoviren sind weit verbreitete Erkältungsviren, die gemeinhin als harmlos angesehen werden.

Astra-Zeneca kündigte diese Woche in einem Rote-Hand-Brief an, dass nun Studien durchgeführt würden, »um den genauen pathophysiologischen Mechanismus für das Auftreten dieser thrombotischen Ereignisse zu identifizieren und das genaue Ausmaß des Risikos zu definieren«. Vermutet wird, dass sich nach der Impfung Autoantikörper mit einer hohen Bindungsaffinität zum Plättchenfaktor 4 (PF4) bilden und dadurch die Struktur dieses Faktors so verändert wird wie bei einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie. Doch was induziert die Bildung der Autoantikörper?

Derzeit wird spekuliert, ob die Vektorviren Schuld sein könnten. »Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist«, sagte Professor Dr. Johannes Oldenburg, Direktor des Instituts für experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Bonn, diese Woche der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

Auch der Hämatologe und Onkologe Professor Dr. Clemens Wendtner vermutet laut dpa, dass den Nebenwirkungen bei beiden Impfstoffen ein ähnlicher Mechanismus zugrunde liegt. »Wir haben im Fall von Janssen die gleichen Nebenwirkungen, die auch bei Astra-Zeneca aufgetaucht sind«, sagt Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing. »Da stellt sich die Frage, ob es hier einen Klasseneffekt gibt, also die Adenoviren, die als Vektoren genutzt werden, die Probleme auslösen.«

Es sei aber theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

Dann müssten sie aber theoretisch bei allen Covid-19-Impfstoffen auftreten. In der Tat sind in Deutschland bis zum 2. April zumindest sieben Verdachtsfälle von Sinusthrombosen auch nach einer Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Tozinameran (Comirnaty®) von Biontech und Pfizer gemeldet worden. Das Paul-Ehrlich-Institut stufte diese Rate bei 10.722.876 verimpften Dosen als nicht erhöht ein.

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