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Arzneimittel

Nebenwirkungen für die Umwelt

Bei Medikamenten geht es in erster Linie um Wirksamkeit und Verträglichkeit. Umweltschutz und Nachhaltigkeit können damit in Konflikt stehen. Was der aktuelle Stand der Forschung ist, welche Maßnahmen helfen und wie mögliche Lösungsansätze aussehen, hat PTA-Forum zusammengefasst.
Nicole Schuster
21.01.2022  15:30 Uhr

Arzneimittel sind (lebens)wichtig. Ein hoher und teilweise unkritischer Verbrauch führt allerdings dazu, dass schädliche und oft schwer abbaubare Rückstände in die Umwelt gelangen. Das Problem wird sich angesichts eines steigenden Arzneimittelverbrauchs in Zukunft vermutlich verschärfen. So wendeten Menschen allein in Deutschland nach Schätzungen des Umweltbundesamtes (UBA) 2002 noch 6200 Tonnen Humanarzneimittelwirkstoffe an. 2012 waren es bereits 8120 Tonnen, was eine Steigerung von 30 Prozent innerhalb von zehn Jahren bedeutet.

Anders als man vermuten könnte, sind es weniger falsch entsorgte Arzneimittel, die zur Umweltbelastung werden. Ein Problem ist vielmehr, dass Arzneistoffe nur zu einem geringen Teil im menschlichen oder tierischen Organismus verbleiben. Ein Großteil wird unverändert oder in Form von Stoffwechselprodukten wieder ausgeschieden. Das ist sogar zum Teil gewollt. Arzneimittel mit guter »Persistenz«, die also lange auch bei widrigen Umständen überdauern, erscheinen aus therapeutischer Sicht erstrebenswert. Das Ziel sind möglichst stabile Wirkstoffe, die im Körper nicht frühzeitig abgebaut werden und in wirksamer Form den Ort erreichen, an dem ihr Effekt gewünscht ist. Tabletten mit einem magensaftresistenten Aufbau ermöglichen es zum Beispiel, dass Wirkstoffe, die durch den Magensaft zerstört oder inaktiviert würden, unbeschadet in den Dünndarm gelangen. Dort wird oft nur ein kleiner Teil in den Blutkreislauf aufgenommen, der Rest unverändert ausgeschieden.

Zweischneidig ist auch, dass gerade neuere Arzneimittel oft so entwickelt werden, dass der Patient sie möglichst selten einnehmen muss. Das verbessert zwar die Adhärenz, die erhöhte chemische Stabilität kann aber auch eine längere Verweildauer in der Umwelt bedeuten.

Bei Tierarzneimitteln ist vor allem der Einsatz in der Massentierhaltung kritisch. Dort werden Tierarzneimittel in oft großen Mengen verabreicht und gelangen über die Gülle direkt auf die Felder. Dort reichern sich Arzneimittelrückstände mit einer hohen Sorptionsaffinität wie Tetracycline hauptsächlich im Boden an oder werden durch Erosionsprozesse in Oberflächengewässer ausgetragen. Stoffe mit einer niedrigen Sorptionsaffinität wie Sulfonamide gelangen hingegen vermehrt ins Grundwasser. Einmal in die Umwelt und den Wasserkreislauf eingebracht, kommen die Rückstände irgendwann über Nahrungsmittel oder direkt über das Trinkwasser zurück zum Menschen.

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