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Baloxavir

Neuartiges Grippemittel

Mitte Februar kommt seit fast 20 Jahren mal wieder ein Medikament einer neuen antiviralen Substanzklasse auf den Markt, das zur Behandlung der Influenza eingesetzt werden kann: Baloxavir (Xofluza®) heißt es.
Sven Siebenand
18.02.2021  14:30 Uhr

Die Abstands- und Hygieneregeln zum Schutz vor SARS-CoV-2 senken offensichtlich auch das Influenzarisiko. Jedenfalls spielt die Grippe in dieser Saison bisher nur eine geringe Rolle. Das ist eine gute Nachricht. Denn: Je weniger schwere Influenzafälle, desto weniger Krankenhauseinweisungen aufgrund der Grippe und desto mehr Kapazitäten dort für die Versorgung von Covid-19-Patienten.

Eine weitere gute Nachricht in Sachen Grippe ist die Markteinführung des neuen Influenza-Medikaments Xofluza® 20 und 40 mg Filmtabletten von Roche. Darin ist mit Baloxavirmarboxil ein Prodrug enthalten, das im Körper durch Hydrolyse zum Wirkstoff Baloxavir umgewandelt wird. Nach fast 20 Jahren ist Xofluza das erste Medikament einer neuen antiviralen Substanzklasse, das in der Europäischen Union zur Behandlung der Influenza zugelassen wurde.

Baloxavir wirkt als Hemmstoff der Cap-abhängigen Endonuklease, ein Influenza-spezifisches Enzym des viralen RNA-Polymerasekomplexes. Wird es blockiert, wird die Transkription von Influenza-Genomen gehemmt, was wiederum zur Hemmung der Virus-Replikation führt. Laut Fachinformation ist Baloxavir in vitro auch gegen Influenzaviren aktiv, die als resistent gegen Neuraminidase-Hemmer gelten. Dazu zählen zum Beispiel die bekannten Grippemittel Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®).

Xofluza hat zwei Anwendungsgebiete: Zum einen darf es ab einem Alter von zwölf Jahren zur Behandlung einer unkomplizierten Influenza zum Einsatz kommen, zum anderen wird es ebenfalls ab einem Alter von zwölf Jahren zur Postexpositions-Prophylaxe verwendet.

Besonders vorteilhaft ist seine Einmalgabe. Zur Behandlung der Influenza ist das Mittel baldmöglichst innerhalb von 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome einzunehmen. Bei einem Körpergewicht unter 80 kg besteht die Einmaldosis aus zwei Tabletten à 20 mg, Personen mit mehr als 80 kg Körpergewicht nehmen einmalig zwei Tabletten à 40 mg ein. Diese Dosierung gilt auch beim Einsatz als Postexpositions-Prophylaxe. Die Einnahme sollte nach engem Kontakt mit einer Person mit bestätigter oder vermuteter Influenza baldmöglichst innerhalb von 48 Stunden erfolgen.

Eine Dosisanpassung ist bei älteren Menschen oder Patienten mit Nierenfunktionsstörung nicht notwendig. Ebenso ist es bei leichter oder mäßiger Leberfunktionsstörung. Bei schwerer Leberfunktionsstörung sind Sicherheit und Wirksamkeit von Baloxavirmarboxil jedoch nicht erwiesen. Gleiches gilt bei Kindern unter zwölf Jahren.

Xofluza kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. PTA und Apotheker können darauf hinweisen, dass die Filmtabletten mit Wasser zu schlucken sind und Xofluza nicht mit Produkten eingenommen werden darf, die polyvalente Kationen enthalten. Dazu zählen unter anderem Antacida oder Eisen-, Magnesium-, Zink- oder Calciumpräparate. Der Grund: Polyvalente Kationen können die Plasmakonzentration von Baloxavir verringern.

Die Verträglichkeit des neuen Medikaments ist gut. Nur gelegentlich hat man in Studien Urtikaria bei Patienten beobachtet. Hinzu kommen einzelne Berichte zu Anaphylaxie und anaphylaktischen Reaktionen. Aus Vorsichtsgründen wird empfohlen, die Anwendung von Xofluza während der Schwangerschaft zu vermeiden. Unter Berücksichtigung des Nutzens des Stillens für ein Kind und des Nutzens der Xofluza-Behandlung für die Mutter ist in der Stillzeit eine Entscheidung zu treffen, ob das Stillen abgebrochen wird oder auf das Grippemedikament verzichtet wird.

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