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Zecken

Neue Arten und alte Bekannte

Sie hat auffällig geringelte Beine, ist zwei- bis dreimal größer als ein Holzbock und flink unterwegs: Die tropische Hyalomma-Zecke ähnelt im ersten Augenblick eher einer Spinne als einer Zecke. 2018 haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim erstmals Funde der tropischen Zecken-Gattung in Deutschland dokumentiert. Auch unter den heimischen Zecken verzeichneten die Forscher eine hohe Aktivität.
Caroline Wendt
20.03.2019
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Die Hyalomma-Zecken stammen ursprünglich aus trockenen Gebieten in Afrika, Asien und Südeuropa. Nach Deutschland gelangen die Larven und Nymphen des Blutsaugers vermutlich über Zugvögel, berichtete Professor Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart bei einer Pressekonferenz der Hochschule. Zugvögel mit Hyalomma-Zecken kommen sicherlich nicht erst seit 2018 nach Deutschland, aber der ungewöhnlich heiße und trockene Sommer des letzten Jahres habe es offenbar ermöglicht, dass sich Larven und Nymphen zu erwachsenen Zecken entwickeln konnten, so die Erklärung der Professorin für Parasitologie. Die adulten Parasiten befallen bevorzugt größere Säugetiere wie Pferde oder Rinder.

Im Aussehen unterschieden sich die tropischen Zecken erheblich von den in Deutschland bekannten. »Sie sind zwei- bis dreimal so groß wie ein Holzbock«, informierte Mackenstedt. Die Beine sind zudem auffällig geringelt.

Das Verhalten der Hyalomma-Zecken weicht ebenfalls von dem der heimischen Arten ab. »Während ein Holzbock darauf wartet, dass ein Wirt vorbeikommt und ihn abstreift, läuft die Hyalomma-Zecke zu einem potenziellen Wirt hin«, erklärte die Professorin. Zecken der Gattung Hyalomma sind sogenannte Jagd-Zecken. Sie bewegen sich bis zu 100 Meter aktiv auf einen Wirt zu. Der Holzbock gehört hingegen zu den Lauer-Zecken. »Holzböcke lassen sich nicht von Bäumen fallen, sie sind blind und müssen sich daher rein auf chemische und taktile Reize verlassen«, erklärte Mackenstedt.

Andere Erreger

Auch die Krankheitserreger, die durch die Zecke übertragen werden können, sind andere als beim gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus). »Die Hyalomma-Zecke kann Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und eine Form des Zecken-Fleckfiebers übertragen«, berichtete Mackenstedt. In den von ihrer Forschungsgruppe untersuchten Zecken seien jedoch keine Erreger der hämorrhagischen Fieberformen gefunden worden, betonte die Parasitologin. Das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, Auslöser des Zecken-Fleckfiebers, sei jedoch in 50 Prozent der eingesendeten Zecken nachweisbar gewesen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird nicht durch die Hyalomma-Zecke übertragen, sondern nur durch die heimischen Zecken.

»FSME ist in Deutschland die wichtigste durch Zecken übertragene Krankheit«, berichtete Professor Gerhard Dobler vom nationalen Konsiliarlabor für FSME. »Im vergangenen Jahr hatten wir fast 600 FSME-Fälle in Deutschland, das ist die höchste Zahl seit Beginn der ­Dokumentation im Jahr 2001«, so der Mediziner. 85 bis 90 Prozent der Fälle wurden, wie in den Jahren zuvor, aus Bayern und Baden-Württemberg gemeldet. Neu unter den vom Robert-Koch-Institut gelisteten Risikogebieten für FSME ist der Landkreis Emsland.

Langer Sommer 2018

Eine Ursache der hohen Fallzahlen sei unter anderem der lange Sommer, erklärte Dobler. »Bei den warmen Temperaturen waren die Menschen öfter draußen und hatten dadurch ein erhöhtes Risiko, mit Zecken in Kontakt zu kommen.« Im vergangenen Jahr gab es zudem besonders viele Zecken.

»Diese Entwicklung konnten wir ­bereits vor zwei Jahren voraussagen«, berichtete der Mediziner. Die Prognose beruht unter anderem auf der Beo­bachtung eines sogenannten Buchenmast-Jahrs: 2016 trugen die Buchen besonders viele Samen. »Daraus resultierten hohe Populationen von Nagetieren, die wiederum als Wirt für die Larven und Nymphen der Zecken dienten«, ergänzte Mackenstedt.

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