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Tagesschläfrigkeit und Verstopfung

Neue Arzneimittel – im Mai gleich zwei

Mitte Mai kamen zwei neue Wirkstoffe auf den deutschen Markt. Das Stimulans Solriamfetol kommt bei bestimmten Patienten mit übermäßiger Tagesschläfrigkeit zum Einsatz. Naldemedin wirkt bei Opioid-induzierter Verstopfung.
Sven Siebenand
29.05.2020  13:00 Uhr

Mit dem neuen Wirkstoff Solriamfetol (Sunosi® Filmtabletten, Jazz Pharmaceuticals) soll eine übermäßige Tagesschläfrigkeit bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe (wiederholte Atemaussetzer während des Schlafs) oder Narkolepsie reduziert werden. Bei dieser Schlafstörung ist die Fähigkeit des Gehirns, den normalen Schlaf-Wach-Zyklus zu regulieren, beeinträchtigt. Typischerweise können die Betroffenen ihren Schlafdrang nicht mehr unterdrücken. Sie schlafen plötzlich zu unangemessenen Zeiten und an unangemessenen Orten ein. Es wird vermutet, dass das Stimulans Solriamfetol als Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer wirkt. Die beiden Neurotransmitter übertragen Signale zwischen Gehirnzellen, die die Wachheit fördern.

Solriamfetol wird in Form von Filmtabletten angewendet. Patienten nehmen den Wirkstoff einmal täglich nach dem Aufwachen ein. Die Applikation weniger als neun Stunden vor dem Zubettgehen ist zu vermeiden, da es den Nachtschlaf stören kann. Eine sehr häufige Nebenwirkung von Solriamfetol ist Kopfschmerz. Häufig kommt es unter anderem zu Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit sowie schnellem oder unregelmäßigem Herzschlag.

Da das Arzneimittel zu einem schädlichen Blutdruckanstieg führen kann, sollte dieser vor und während der Behandlung gut kontrolliert werden. Das Stimulans darf nicht bei Patienten mit einer unkontrollierten Hypertonie oder schweren Herzproblemen  wie Herzinfarkt, instabile Angina pectoris oder schwere Herzarrhythmien angewendet werden. Ferner darf es nicht mit MAO-Hemmern kombiniert werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer hypertensiven Reaktion. Bei einer vorangegangenen Einnahme von MAO-Hemmern sollte Solriamfetol erst zwei Wochen nach Beendigung der Therapie zum Einsatz kommen. Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen, ist Vorsicht geboten.

Arzneimittel, die zu einem Anstieg des Dopaminspiegels führen oder direkt an Dopaminrezeptoren binden, können in Kombination mit Solriamfetol ebenfalls Probleme bereiten. Die gleichzeitige Anwendung solcher Arzneimittel muss laut Fachinformation daher mit Vorsicht erfolgen.

Solriamfetol zeigte in einer Studie ein geringes Missbrauchspotenzial. Dennoch muss auf Patienten mit anamnestisch bekanntem Missbrauch von Stimulanzien oder Alkohol besonders geachtet werden.

Frauen im gebärfähigen Alter und deren männliche Partner müssen während der Einnahme von Solriamfetol eine wirksame Empfängnisverhütung praktizieren. Die Anwendung bei Schwangeren wird nicht empfohlen. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob auf das Stillen oder auf die Behandlung mit Soliramfetol verzichtet wird.

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