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Fachberufekonferenz

Neues aus Berlin

Im März fand die 31. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen bei der Bundesärztekammer statt, an der auch wir als Mitglied dieses Gremiums teilnahmen.
Sabine Pfeiffer van Rijswijk
09.04.2019  16:55 Uhr

Nach der Begrüßung durch Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, und seinem gesundheitspolitischen Bericht aus Sicht der Ärzteschaft, kamen auch viele Gesundheitsberufsvertreter zu Wort. Diese forderten ein Mehr an Verantwortung in ihren Fachbereichen, damit verbunden die Professionalisierung der einzelnen Berufe. Ein wichtiger Punkt auch: Schulgeldfreiheit, denn die teilweise horrenden Schulgelder schreckten viele Bewerber und Interessenten ab. Ein Aspekt, um ein Mehr an Ausbildungswilligen zu bekommen: Teilzeitausbildung. Diese ist allerdings bei einigen Berufen, so auch in der PTA-Ausbildung, nur schwer realisierbar, da diese eine schulische mit anschließendem Praktikum ist. Tenor aller Teilnehmer: Nur gemeinsam kann man die Zukunft schultern. Was aber allen Verbänden fehlt, ist der Nachwuchs.

Hauptthema der Veranstaltung war »Gesundheitskompetenz (Health Litaracy)«. In seiner Rede wies Andreas Westerfellhaus, Staatssekretär für Pflege im BMG, darauf hin, dass Gesundheitserziehung im Kindesalter anfangen muss. Ziel der Bundesregierung sei es, die Gesundheitsbildung zu verbessern. Diese müsse in leichter Sprache, umfassend und verständlich erfolgen. Zu diesem wichtigen Thema »Gesundheitskompetenz« findet am 10. April im BMG eine Veranstaltung statt, zu der Westerfellhaus alle Vertreter der Fachberufe einlud.

Professor Dr. Doris Schaeffer stieg dann in das Thema ein, indem sie erst einmal einen Hinweis gab: Health Literacy bedeutet »Gesundheitliche Literalität«, eben Informations-Lesen. Dazu muss man wissen, dass in Deutschland circa 14,5 Prozent der Bevölkerung Analphabeten sind oder nur Wörter lesen können, diese aber nicht in einen Zusammenhang stellen können. Hieran scheitert vieles. Es gibt immer mehr »Fachwissen«, gerade auch im Netz, das oft fragwürdig und unseriös ist. Der Mensch bleibt damit allein. Eine Studie aus Deutschland (Nordrhein Westfalen nahm als einziges Bundesland an dieser Studie teil) zeigt, dass 19,6 Prozent exzellent, 34,1 Prozent ausreichend, 35,3 Prozent problematisch und 11,0 Prozent inadäquat mit solchen Informationen (Gesundheitskompetenz) umgehen können. Es unterstreicht den Satz: Kommunikation ist alles. Herausgestellt hat sich, dass die mündliche Info die wichtigste ist, hier erinnere ich nur an unsere Beratungspflicht, die somit viel Unwissenheit und Leid vorbeugen kann. An diese mündliche Aufklärungspflicht sollte man auch die Versandapotheken heranziehen.

Interessant auch die Ergebnisse einer weiteren Studie: Fachärzte haben mit Platz sieben die wenigsten Chancen, von den Patienten verstanden zu werden, direkt gefolgt von den Ärzten allgemein. Platz fünf teilen sich Internet und Krankenkassen, sehr gut schnitten die Apotheken ab mit Platz drei, auf den ersten beiden standen Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Interessant für die Krankenkassen und die Gesundheitspolitik, da es ja immer um Geld geht: Je niedriger der Bildungsstand eines Patienten desto weniger versteht er und umso häufiger (bis zu sechsmal) geht er zum Arzt. Hier sollten die verschiedenen Instanzen einsetzen und entsprechend tätig werden.

Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz ist noch unter Hermann Gröhe eingesetzt worden, die ersten Ergebnisse, aber auch weitere sehr interessante Aspekte zu diesem Thema können Sie nachlesen unter: www.nap-gesundheitskompetenz.de

Nach der Mittagspause gab es, vorgestellt durch drei Berufsverbände, Kurzvorträge zur Rolle und den Aufgaben der Gesundheitsfachberufe. Hier ging man auch auf die Kommunikation mit den Patienten ein. Tina Hartmann vom Dachverband für Technolog/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e.V. (DVTA) brachte in ihrem Schlusswort noch an, dass es in Zukunft mehr Miteinander geben sollte als Gegeneinander, jeder Gesundheitsfachberuf sei wichtig.

Wichtig für uns war wieder der Austausch mit den Vertretern anderer Gesundheitsfachberufe, um zu hören, wie diese mit den Alltagsproblemen, die in jeder Branche vorhanden sind, umgehen. Aber auch viele Anregungen und Ideen zum eigenen Berufsverständnis konnten wieder »mitgenommen« werden, eine tolle und interessante Veranstaltung.

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