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PARP-Hemmer

Neues Mittel gegen Brustkrebs

Anfang Juni kam mit Talazoparib (Talzenna® 0,25 und 1 mg Hartkapseln, Pfizer) ein neues Medikament für bestimmte Patientinnen mit Brustkrebs auf den deutschen Markt.
Sven Siebenand
12.06.2020
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Talazoparib ist nach Olaparib (Lynparza®), Niraparib (Zejula®) und Rucaparib (Rubraca®) der vierte im Handel verfügbare Arzneistoff aus der Klasse der sogenannten PARP-Hemmer. PARP steht für Poly-ADP-Ribose-Polymerasen. PARP werden zur Reparatur von DNA-Einzelstrangbrüchen benötigt. Nach deren Hemmung entstehen mit der nächsten Zellteilung Doppelstrangbrüche, was schließlich zum Tod der Krebszellen führt.

Zugelassen ist Talazoparib in Monotherapie zur Behandlung des HER2-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms mit BRCA1/2-Keimbahnmutation. Auch Olaparib ist unter anderem für diese Indikation zugelassen. Die Patientinnen sollten zuvor mit einem Anthrazyklin und/oder einem Taxan im (neo)adjuvanten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Setting behandelt worden sein, es sei denn, sie waren für diese Behandlungen nicht geeignet. Patientinnen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem Brustkrebs sollten außerdem bereits eine endokrin-basierte Therapie erhalten haben oder für diese als nicht geeignet eingestuft sein.

Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 1 mg Talazoparib. Die Therapie sollte bis zur Progression der Grunderkrankung oder bis zum Auftreten inakzeptabler Toxizität fortgesetzt werden. Falls bestimmte Nebenwirkungen auftreten, kann die Dosis verringert oder die Behandlung unterbrochen werden. Nähere Informationen dazu befinden sich in der Fachinformation von Talzenna.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Talazoparib sind Müdigkeit, Anämie, Übelkeit, Neutropenie, Thrombozytopenie und Kopfschmerz. Wegen des Einflusses auf die Blutzellen, sollte vor Beginn der Behandlung mit Talazoparib eine Kontrolle des Blutbilds erfolgen, die anschließend jeden Monat und sofern klinisch indiziert wiederholt werden sollte.

Talazoparib ist ein Substrat des Arzneimitteltransporters P-Glykoprotein (P-gp). Starke P-gp-Hemmer können zu einem erhöhten Talazoparib-Spiegel führen. Die gleichzeitige Anwendung während der Behandlung mit Talazoparib sollte daher vermieden werden. Lässt sich die gleichzeitige Gabe nicht vermeiden, sollte die Dosis von Talazoparib auf einmal täglich 0,75 mg reduziert werden. Talazoparib ist auch Substrat des Breast Cancer Resistance Proteins (BCRP). Die gemeinsame Gabe mit starken Inhibitoren dieses Proteins sollte ebenfalls vermieden werden.

Bei mittelschwerer oder schwerer Leberinsuffizienz sollte das Krebsmedikament nur angewendet werden, wenn der Nutzen gegenüber den möglichen Risiken überwiegt. Bei schwerer Niereninsuffizienz wird der neue Arzneistoff nicht empfohlen.

Kontraindiziert ist Talazoparib in der Stillzeit. Auch in der Schwangerschaft wird die Anwendung des neuen Arzneistoffs wegen einer möglichen Schädigung des Fötus nicht empfohlen. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung nicht schwanger werden und zu Beginn der Behandlung nicht schwanger sein. Vor Therapiestart sollte bei allen Frauen im gebärfähigen Alter ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden. Patientinnen müssen während der Behandlung mit und für mindestens sieben Monate nach Abschluss der Behandlung eine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden. Da die Anwendung hormoneller Verhütung bei Patientinnen mit Brustkrebs nicht empfohlen wird, sollten zwei nicht hormonelle und komplementäre Verhütungsmethoden angewendet werden. 

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