PTA-Forum online
Coronavirus

Neuinfektionen auf höchstem Stand seit Mai

Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland hat den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Experten sind besorgt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht den Anstieg der Infektionszahlen als Alarmzeichen.
dpa
12.08.2020  14:15 Uhr

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1226 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Höher lag der Wert zuletzt am 09. Mai mit 1251 registrierten Neuinfektionen. Seit dem Vortag wurden sechs neue Todesfälle gemeldet. »Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden«, warnt das Robert Koch-Institut.

Der Anteil an Kreisen, die keine Neuinfektionen übermittelt haben, sei in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen. »Dieser Trend ist beunruhigend«, so das RKI. Besonders betroffen seien derzeit Nordrhein-Westfalen und Hamburg, wo ein deutlicher Anstieg auffalle.

Mit den Grenzöffnungen sei der Anteil aus dem Ausland eingetragener Infektionen deutlich gestiegen, heißt es im aktuellen Situationsbericht des RKI. In der Meldewoche vom 3. bis 9. August habe er bei 31 Prozent gelegen. Am häufigsten seien bei Ansteckungen im Ausland in den vergangenen vier Wochen Länder des Westbalkans, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Polen und Spanien als wahrscheinlicher Infektionsort genannt worden.

Anders als Mitte Juni, als es beispielsweise beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen einen großen Corona-Ausbruch gab, ist der jetzige Anstieg nicht hauptsächlich auf einzelne Brennpunkte zurückzuführen. Auf Landkreisebene sind die Zahlen oft nur leicht gestiegen. Doch über alle Kreise hinweg summiert sich dieser Effekt. Experten fürchten eine solche Entwicklung, weil sie sich nicht mit einigen wenigen harten Maßnahmen auf rein lokaler Ebene eindämmen lässt. Als Ursache für den Anstieg hatte RKI-Präsident Lothar Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln genannt.

Weiter wachsam sein

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußert sich zu der aktuellen Situation. »Das ist ohne Zweifel besorgniserregend«, sagte er im Deutschlandfunk. »Hier sehen wir, dass durch Reiserückkehr, aber eben auch durch Partys aller Art, durch Familienfeiern in fast allen Regionen des Landes kleinere und größere Ausbrüche haben. Und das kann natürlich – wenn wir jetzt nicht alle miteinander aufpassen – eine Dynamik entfalten.« Es gelte daher, »sehr, sehr wachsam« zu sein, weil es nicht mehr nur lokale Ausbrüche seien.

Das Gesundheitssystem könne die derzeitigen Infektionszahlen gut bewältigen, sagte Spahn. Aber: »Mit jeder Infektion wird es für die Gesundheitsämter schwieriger.« Der Minister appellierte erneut an die Bürger, die Hygieneregeln einzuhalten, Masken zu tragen, Abstand zu halten und bei Veranstaltungen den Rahmen zu wahren. »Da wo dann auch Alkohol im Spiel ist, wo es tatsächlich aus der feierlichen Veranstaltung zur Party wird, da geht es dann eben auch sehr schnell.«

Infektionsgeschehen 

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 218.519 Menschen in Deutschland nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert, wie das RKI am heute Morgen im Internet berichtete. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9207. Der Mittelwert des Alters der Infizierten liegt derzeit bei 34, im April hatte er noch bei um die 50 gelegen – der Anteil jüngerer Infizierter nahm seither merklich zu.

Von den gut 9000 in Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen (4,2 Prozent aller bestätigten Fälle) waren etwas mehr als die Hälfte Männer (55 Prozent). Der Altersdurchschnitt der Verstorbenen liegt nach den RKI-Daten bei 81 Jahren. Bislang seien lediglich drei Covid-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden. »Die verstorbenen Personen waren im Alter zwischen 3 und 18 Jahren, alle hatten Vorerkrankungen.«

Die R-Werte liegen nach RKI-Angaben seit Mitte Juli 2020 wieder bei 1 beziehungsweise leicht darüber. »Dies hängt mit einer größeren Anzahl kleiner Ausbrüche, aber auch mit den bundesweiten Fallzahlen zusammen, die seit den Lockerungen der Maßnahmen sowie durch zunehmende Fälle unter Einreisenden in den letzten Wochen stetig gestiegen sind«, hieß es.

Mehr von Avoxa