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Parkinson und Alzheimer

Neurologen empfehlen Kopfschutz beim Fußball

Einer schottischen Studie zufolge haben Profifußballspieler ein deutlich erhöhtes Risiko, im Verlauf des Lebens eine neurodegenerative Erkrankung zu entwickeln – vor allem die Abwehr. Durch einen Kopfschutz könnte das Risiko gesenkt werden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hin.
Christina Hohmann-Jeddi
21.10.2021  16:00 Uhr

Vor zwei Jahren habe eine Kohortenstudie aus Schottland gezeigt, dass bei Profifußballspielern die Sterblichkeitsrate durch neurogenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer sowie Motoneuronerkrankungen wie die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) signifikant höher ist als in Vergleichsgruppen der Allgemeinbevölkerung (»NEJM« 2019). Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemitteilung. Insgesamt fanden sich bei Fußballprofis dreimal häufiger neurodegenerative Hauptdiagnosen auf dem Totenschein (1,7 Prozent versus 0,5 Prozent).

Nun analysierte ein Team um Emma Russel von der Universität Glasgow diese retrospektive Kohorte mit 7676 ehemaligen Fußballprofis sowie mehr als 23.000 in Hinblick auf Alter, Geschlecht und sozialen Status gematchten Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung genauer. Hierbei wurden mögliche Assoziationen des Risikos für die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen in Bezug auf die Spielfeldposition der Fußballer, die Länge der Berufskarriere und die Geburtsjahrgänge ermittelt.

Insgesamt wurde bei 386 der ehemaligen Berufsfußballspieler (5 Prozent) und 366 der gematchten Kontrollen (1,6 Prozent) eine neurodegenerative Erkrankung identifiziert. Das Risiko war damit um den Faktor 3,7 erhöht, berichten die Forschenden im Journal »JAMA Neurology«. Am häufigsten, nämlich um den Faktor 5 höher, waren Verteidiger betroffen. Torhüter hatten verglichen mit der Allgemeinbevölkerung kein signifikant erhöhtes Risiko. Auch die Karrierelänge war entscheidend: So war das Risiko am höchsten bei einer Berufskarriere von mehr als 15 Jahren (Hazard Ratio 5,2). Hinsichtlich der Geburtsjahrgänge war das Risiko für alle zwischen 1910 und 1969 geborenen Spieler ähnlich.

Das Team sieht die Ergebnisse als Bestätigung der Hypothese, dass wiederholte Kopfverletzungen, auch wenn es sich dabei nicht um schwere Schädel-Hirntraumen handelte, das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen beziehungsweise eine chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) erhöhen können, da Spieler in Verteidigungsposition ein deutlich höheres Risiko hatten als andere Feldspieler. Der Zusammenhang mit der Karrierelänge spricht für eine Bedeutung der kumulativen Exposition.

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