PTA-Forum online
Sturzrisiko erhöht

Neuropathie durch Chemotherapie

Gangsicherheit stärken

Die CINP können Ärzte nicht ursächlich behandeln. Zur Therapie der Symptome kommen versuchsweise der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) Duloxetin (zugelassen zur Therapie von Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie) sowie Antidepressiva wie Venlafaxin und Amitryptillin zum Einsatz. Auch Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin können Effekte zeigen.

Bei der Therapie schwerer neuropathischer Schmerzen haben sich besonders schwache und starke Opioide als wirksam erwiesen, während übliche Schmerzmittel wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Paracetamol zumeist keine Linderung zeigen. Ergänzend wird die lokale Anwendung von Capsaicin-Salben und -Pflastern empfohlen.

Die unkontrollierte Einnahme von B-Vitaminen gilt als problematisch, zumal eine Effektivität bei Chemotherapie-bedingten Nervenschäden nicht nachgewiesen wurde. Im Gegenteil: Höhere Dosen über einen längeren Zeitraum eingenommen, können vermutlich ihrerseits Nervenschäden verursachen.

Auch die Akupunktur gilt als experimentelles Behandlungsverfahren, kann sich jedoch mit Blick auf Sensibilitätsstörungen und Schmerzen als beschwerdelindernd erweisen. Manche Patienten schildern warme, andere kalte, wiederum andere Wechsel-Bäder als hilfreich. Diskutiert wird eine Effizienz der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS). Bei häufigen Wadenkrämpfen kann die Einnahme von Magnesium angezeigt sein.

Auch bewegungs-, physio-, ergo- und elektrotherapeutische Maßnahmen greifen nicht ursächlich in das Krankheitsgeschehen ein, sondern dienen dem Ausgleich der durch die Neuropathie entstandenen Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme. Sie können helfen, die Gangsicherheit zu trainieren und somit das Sturzrisiko zu reduzieren.

Leiden mit vielen Gesichtern

Stress kann die Symptome einer Polyneuropathie begünstigen, Stressminderung somit dazu dienen, die Krankheit zu bewältigen. Hier können Psychoonkologen oder Verhaltenstherapeuten unterstützen. Auch das Engagement in Selbsthilfegruppen kann dazu beitragen, mit der Krankheit besser zurechtzukommen.

Die CINP ist nur eine von circa 300 möglichen Ausprägungen der Polyneuropathie. Die Ursachen sind vielfältig und können nicht nur toxischer, sondern auch metabolischer, (auto)immunologischer, hereditärer oder infektiöser Natur sein. Ganz oben auf der Liste der möglichen Grunderkrankungen in den westlichen Industrieländern rangiert Diabetes mellitus, gefolgt von chronischem Alkoholabusus.

Ein Großteil aller Polyneuropathien wird als idiopathisch eingestuft. Mit anderen Worten, die Ursache lässt sich nicht klären. Auch lassen sich nicht alle Polyneuropathien mit den üblichen Untersuchungstechniken nachweisen. Mit einer Prävalenz von fünf bis acht Prozent gelten sie weltweit als häufigste Erkrankung des peripheren Nervensystems im Erwachsenenalter.

Das Leiden hat gemäß der großen Zahl der Ursachen viele Gesichter. Die CINP, so Neurologen, ist an sich nicht gefährlich. Sie kann jedoch aufgrund der dramatisch erhöhten Sturzgefahr zu gefährdenden Alltags-Situationen führen. Es müsse in der Betreuung, Beratung und Information verstärkt darum gehen, das gesundheits- und körperorientierte Selbstmanagement der Patienten entsprechend zu schulen.

Aktuelle Prognosen besagen, dass die Zahl der CINP-Betroffenen mit der Alterung der Bevölkerung im Rahmen des demografischen Wandels steigt, nicht zuletzt, da auch die Zahl der Krebserkrankungen zunehmen wird. Die gute Nachricht jedoch ist: Das Bewusstsein für die Symptome und Folgen der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie wächst, so dass zukünftig mehr und mehr Patienten die medizinische Aufmerksamkeit und Zuwendung erfahren werden, die das Krankheitsbild erforderlich macht.

Mehr von Avoxa