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Rezeptbelieferung

Nicht aus dem Rahmen fallen

Vorrätig, lieferfähig oder nicht verfügbar: Diese drei Formulierungen werden der ein oder anderen PTA wohl immer wieder durch den Kopf schwirren. Seit dem Start des neuen Rahmenvertrags von GKV-Spitzenverband und Deutschem Apothekerverband am 1. Juli 2019 gelten bei der Rezeptbelieferung neue Regeln. PTA Forum hat die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.
Caroline Wendt
06.09.2019
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Vorrätig bedeutet, ein Artikel ist in der Apotheke vorhanden, lieferfähig, dass er bei einem Großhändler vorrätig ist, und nicht verfügbar sind Präparate, die innerhalb eines angemessenen Zeitraums nicht von der Apotheke beschafft werden können. Soweit die Definitionen des neuen Rahmenvertrags – soweit ist auch alles klar. Dennoch haben die Begriffe an Tragweite gewonnen. Denn bei der Abgabe von Arzneimitteln müssen PTA und Apotheker nun immer ganz genau aufpassen, ob sie alle Optionen geprüft und richtig auf dem Rezept vermerkt haben. Denn eine Übergangsregelung, in der die großen Krankenkassen auf Regresse verzichteten, galt nur bis Ende Juli 2019.

Nun muss, sobald ein Medikament nicht lieferbar ist, die Nichtverfügbarkeit dokumentiert werden. Hierfür braucht die Apotheke zwei negativ beschiedene Verfügbarkeitsnachfragen bei pharmazeutischen Großhändlern. Ebenfalls neu ist, dass das Vorlagedatum auf dem Rezept vermerkt werden muss, sollte dieses vom Belieferungsdatum abweichen. Die Verfügbarkeitsnachfragen müssen in direktem zeitlichen Zusammenhang mit der Rezeptvorlage stehen. Der Beleg muss folgende Angaben beinhalten:

  • Name des Großhandels
  • Institutionskennzeichen (IK) der anfragenden Apotheke
  • Zeitstempel der Anfrage mit Uhrzeit und Datum
  • Abgefragte PZN

Doch nicht alle Apotheken werden von mehreren Großhändlern beliefert. Reicht es also aus, nur eine Anfrage zu dokumentieren, wenn die eigene Apotheke nur einen Großhändler nutzt? Nein, in diesem Fall müssen bei dem gleichen Großhändler zwei Anfragen in einem angemessenen Zeitraum erfolgen.

Die richtige Abgaberangfolge

Nun wird es richtig kompliziert: Ist ein Arzneimittel nicht lieferbar, muss bei der Abgabe eines Alternativ-Präparates eine genaue Rangfolge eingehalten werden. Wie bisher müssen Rabattarzneimittel bevorzugt abgegeben werden. Ist keines der Rabattarzneimittel lieferbar, muss eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel ausgewählt werden. Im Gegensatz zum alten Rahmenvertrag darf das namentlich verordnete Medikament nicht abgegeben werden, es sei denn, es handelt sich hierbei um ein rabattiertes Präparat oder es gehört zu den vier preisgünstigsten. Auch beim Preisvergleich gibt es einen Unterschied zu früher: Während bei der alten Verordnung die Apotheken-Verkaufspreise verglichen wurden, zählt nun der um die gesetzlichen Rabatte bereinigte Preis.

Ist weder ein Rabattarzneimittel noch eines der vier preisgünstigsten Präparate lieferfähig, folgt die nächste Stufe. Nun darf die Apotheke das nächst preisgünstigere Medikament auswählen. Im Notdienst oder bei einem Akutfall gibt es glücklicherweise ein wenig mehr Spielraum: Hier kann der Apotheker zum nächstgünstigeren vorrätigen Arzneimittel greifen.

Bei jedem Abweichen vom Rahmenvertrag muss die Sonder-PZN 02567024 auf das Rezept gedruckt werden. Je nach Fall muss zudem ein Faktor hinzugefügt werden, der den Grund des Abweichens näher erläutert.

Im neuen Rahmenvertrag wird vom generischen Markt noch der importrelevante Markt unterschieden. Auch hier sind einige Neuerungen zu beachten. Die 15/15-Regelung, die bisher Bestand hatte, gibt es nicht mehr. Stattdessen wird der Abgabepreis nun gestaffelt betrachtet. Ein Importarzneimittel gilt dann als preisgünstig, wenn es bei einem Abgabepreis

  • bis 100 Euro – mindestens 15 Prozent günstiger
  • von 100 bis 300 Euro – mindestens 15 Euro günstiger
  • über 300 Euro – mindestens 5 Prozent günstiger als das Bezugsoriginal ist

Zudem müssen Apotheken nun keine Importquote mehr erzielen, sondern innerhalb von sechs Monaten ein Einsparziel von 2 Prozent erreichen. Doch 2 Prozent von was? Für die Berechnung des Einsparziels muss man die Summe des theoretischen Umsatzes an Referenzarzneimitteln (Original) kennen. Das Einsparziel ergibt sich dann aus der Summe der Einsparung dividiert durch den theoretischen Umsatz.

Rabattvertrag first

Was sich nicht geändert hat, ist die Vorgabe, dass ein bestehender Rabattvertrag Vorrang vor der Abgabe eines Importarzneimittels hat. Ist das Rabattarzneimittel nicht lieferbar, ist das, genauso wie im generischen Markt, durch Sonder-PZN, entsprechenden Faktor und Verfügbarkeitsnachfrage vom Großhandel zu dokumentieren.

Gibt es keinen Rabattvertrag, sollten Apothekenmitarbeiter darauf achten, ein Importarzneimittel abzugeben, um das Einsparziel von 2 Prozent zu erreichen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass der abgegebene Import nicht teurer als ein namentlich verordneter Import ist.

Der Preisanker

Der sogenannte Preisanker gilt auch im nicht-importrelevanten Markt und sorgt oftmals für Probleme. Verordnet ein Arzt ein Arzneimittel, welches bereits das zweitgünstigste unter den austauschbaren Präparaten ist, bleibt der Apotheke nur die Wahl zwischen dem namentlich verordneten Arzneimittel und dem Medikament, welches noch günstiger ist. Kommen nun noch Lieferschwierigkeiten hinzu, bleibt PTA und Apotheker nur der Griff zum Telefon: Die Apotheke muss sich vergewissern, dass der Arzt mit einem teureren Präparat einverstanden ist, da dieser die wirtschaftliche Verantwortung für das Rezept trägt. Die Rücksprache muss auf dem Rezept vermerkt und abgezeichnet werden. Eine reine Wirkstoffverordnung kann hier von Vorteil sein, doch sind auch dieser Grenzen gesetzt. So können beispielsweise Arzneimittel von der Substitutionsausschlussliste wie L-Thyroxin, Vitamin-K-Antagonisten oder Phenytoin nicht als reine Wirkstoffverordnung rezeptiert werden. Hier muss der Arzt ein konkretes Präparat verordnen. Gleiches gilt beispielsweise auch für Biologicals.

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