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Die Nase

Nicht nur Riechorgan

Durch die Nase atmen wir, und mit ihr nehmen wir Gerüche war. Die Nase ist auch ein wichtiger Resonanzraum für die Stimme. Was die Nase Tag für Tag scheinbar selbstverständlich leistet, wird uns häufig erst bewusst, wenn ihre Funktion gestört ist.
Maria Pues
16.04.2019  13:45 Uhr

Berichten Patienten, dass sie Gerüche nicht mehr so wahrnehmen können wie gewohnt, sollte man aufhorchen, sagte Apothekerin Barbara Staufenbiel, Münster, in ihrem Vortrag für PTA auf dem westfälisch-lippischen Apothekertag Ende März in Münster. Zwar nehme die Riech-Fähigkeit mit dem Alter ab. Doch eine abnehmende Geruchsempfindlichkeit kann auch bei bestimmten Erkrankungen auftreten, beispielsweise bei einem Diabetes mellitus, einer Hypothyreose oder einem Sjögren-Syndrom. Bei letzterem handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die unter anderem Tränen- und Speicheldrüsen angreift. Riechstörungen können jedoch auch Vorboten bestimmter Erkrankungen sein. Noch bevor bei ihnen ein Morbus Parkinson oder eine Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert wird,bemerken manche Betroffene, dass ihre Geruchswahrnehmung schwindet. Die Ursache dieser Störung liegt in diesem Fall nicht in der Nase selbst, sondern im Bereich der Riech-Nerven und der entsprechenden Zentren im Gehirn, wo die Impulse aus der Nase weitergeleitet und verarbeitet werden.

Nicht zuletzt können auch Arzneimittel die Geruchswahrnehmung verändern. Unter anderem Calciumantagonisten wie Nifedipin oder Amlodipin, ein chronischer Gebrauch abschwellender Nasensprays, aber auch Arzneistoffe wie Lovastatin, Amitriptylin oder Enalapril kommen hier infrage. Meistens seien diese Störungen reversibel, erläuterte Staufenbiel. Jedoch bestehe die Gefahr, dass Patienten ihr Arzneimittel nicht mehr regelmäßig einnehmen.

Störungen der Geruchswahrnehmung
Normosmie Normale Geruchswahrnehmung
Dysosmie Gestörte Riechleistung
Hyposmie Verminderte Riechempfindlichkeit
Anosmie Deutlicher oder vollständiger Verlust der Riechwahrnehmung
Parosmie Veränderte Wahrnehmung von Gerüchen
Phantosmie Riechwahrnehmung ohne Reizquelle
Störungen der Geruchswahrnehmung

»Wir atmen immer nur durch ein Nasenloch«, sagte Staufenbiel. Das andere regeneriert sich derweil. Zum Hintergrund: Jede Epithelzelle in der Nase trägt etwa 2000 Zilien, die rund 1000 Mal pro Minute eine peitschenartige, wellenförmige Bewegung ausführen. Fremdstoffe wie Schleim, Staub und Mikroorganismen werden so – etwa wie ein Floß auf den Wellen – weitertransportiert. Eine Strecke von 5 bis 25 Millimeter pro Minute legen sie dabei zurück – in Richtung Rachen, wie die Referentin betonte. Das sei wichtig, um zu verstehen, wie man sich diesen Mechanismus zunutze machen kann und was ihn stören könnte.

Heftiges und/oder falsches Naseputzen kann die Zilienfunktion stören. Besser: Man verschließt jeweils ein Nasenloch und schnäuzt vorsichtig durch das andere. Kinder machten es mit dem „Hochziehen“ instinktiv richtig, sagte die Referentin. Sie besitzen zudem noch keine Nasennebenhöhlen, sodass bei falschem Schnäuzen Sekret in die Gehörgänge gedrückt werden könnte. Das ist auch der Grund für die häufigeren Mittelohrentzündungen in dieser Altersgruppe. Richtig schnäuzen könnten Kindern erst ab einem Alter von drei bis vier Jahren. Weitere Störfaktoren der Zilienfunktion sind auch Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid, das ein zilien- und zytotoxisches Potenzial besitzt. Dies lässt sich jedoch leicht mit Konservierungsmittel-freien Systemen umgehen.

Simpler Schnupfen oder Rhinosinusitis? Die Farbe des Sekrets erlaubt keine Unterscheidung. Einen wichtigen Anhaltspunkt erhält man jedoch durch einen einfachen Test: Beim Bücken verursacht eine Entzündung der Nebenhöhlen ein Druckgefühl oder pochendes Gefühl in dem entsprechenden Bereich. Während für einen einfachen Schnupfen ein abschwellendes Nasenspray meist ausreichend, um die Nase wieder frei zu bekommen, favorisieren die aktuellen Leitlinien bei Rhinosinusitis systemische Dekongestiva wie Pseudoephedrin. Diese räumten die engen Öffnungen zwischen Nasenhöhle und -nebenhöhlen besser frei als Nasensprays. Wichtig: Abschwellende Nasensprays und systemische Dekongestiva nicht kombinieren, denn beide verengen die Blutgefäße.

Schnupfen oder Heuschnupfen? Die Jahreszeit bietet keinen Anhaltspunkt zur Unterscheidung, denn Allergien treten inzwischen ganzjährig auf. Allerdings seien die Begleitsymptome einer klassischen Erkältung wie Kopf- und Halsschmerzen oder Husten bei einer Allergie meist nicht so stark wie bei einem Erkältungsschnupfen, sagte Staufenbiel. Oft fließe das Sekret auch klarer, flüssiger und reichlicher. Je nach Ausprägung der Beschwerden stehen Augentropfen, Nasensprays und eine systemische Therapie zur Auswahl. Bei einer lokalen Behandlung mit einem antiallergischen Nasenspray besserten sich oft auch die Augensymptome, da Wirkstoff über den Tränenkanal auch in die Tränenflüssigkeit gelange, berichtete Staufenbiel. Umgekehrt funktioniere das jedoch nicht. In der Beratung sollte man stets auch fragen, ob bereits eine Allergie-Diagnostik durchgeführt wurde und auf die Möglichkeiten der Hyposensibilisierung hinweisen.

Nicht nur ein Schnupfen kann zu einer verstopften Nase führen, sondern auch trockene Nasenschleimhäute. Unter anderem manche Arzneimittel können die Nasenschleimhäute austrocknen und zu dem Gefühl »Nase zu« führen. Abschwellende Nasensprays sind dann ebenso ungeeignet wie Nasenöle. So trocknen abschwellende Nasensprays die Schleimhäute immer weiter aus. Sie verstärken damit die Austrocknung, auch wenn der Patient unmittelbar nach der Anwendung eine Besserung verspürt. Ölige Zubereitungen können laut Staufenbiel die Zilientätigkeit lähmen und damit den wichtigen Reinigungsmechanismus der Nasenschleimhaut stören. Darüber hinaus besteht die Gefahr der Aspiration und Lipidpneumonie, wenn Öltröpfchen in die unteren Atemwege gelangten. Sinnvoll angewendet werden könnten Nasenöle allenfalls bei starker Borkenbildung in der Nase, so Staufenbiel. Bei trocken-verstopfter Nase helfe »befeuchten, befeuchten, befeuchten«: mit entsprechenden Sprays oder einer Nasendusche mit einer isotonischen Salzlösung. Zum Vergleich: Hypotone Lösungen lassen die Nasenschleimhaut weiter anschwellen, hypertone Lösungen lassen die Nasenschleimhäute abschwellen, sofern es sich um 2- bis 3,5-prozentige Lösungen handelt.

Nase als Applikationsort

Die Nase ist nicht nur für die Anwendung von lokal wirksamen Arzneimitteln interessant, sie stellt auch einen interessanten Applikationsweg für Arzneimittel mit systemischer Wirkung dar. Einige gibt es schon: zum Beispiel Sumatriptan- und Zolmitriptan-Nasenspray bei Migräne, Fentanyl-Nasenspray bei Durchbruchsschmerzen oder Nafarelin und Buserelin bei Endometriose. Denkbar seien auch Zubereitungen, die das Siebbein hindurch über den Riechnerv und den Trigeminusnerv direkt in das Zentralnervensystem gelangen. So könnte man die Blut-Hirn-Schranke vermeiden, eine interessante – noch theoretische – Option in der Behandlung von Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer oder Multipler Sklerose, aber auch für Impfungen oder zur Behandlung der Reisekrankheit, da eine schnelle Wirkung erreicht werden könne. Allerdings wisse man noch nicht, welche Anteile tatsächlich am Wirkort ankommen. Schränkte die Referentin ein. Das mache es schwierig, die Dosis zu ermitteln. »Noch ist das Zukunftsmusik«.

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