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Innere Balance

Nicht stressen lassen

Stress im Arbeitsalltag kann einen schnell aus der Balance bringen. Dabei sind es bei jedem andere Situationen, die Stress und Druck erzeugen. Wer sich seiner individuellen Stress-Auslöser bewusst ist, kann Möglichkeiten finden, diese zu reduzieren oder sogar ganz zu vermeiden.
Britta Odenthal
29.08.2019
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Sie haben zum Beispiel an den meisten Tagen zu viele Aufgaben? Sie schaffen Ihre Arbeit bis zum Feierabend nicht? Sie lassen sich von Kolleginnen schnell verunsichern oder von Ihrem Vorgesetzten zu noch mehr Leistung antreiben, obwohl Sie spüren, dass Sie dies auf Dauer nicht schaffen können?

Fragen Sie sich doch einmal: Sind das tatsächlich Ansprüche, die von außen kommen, oder sind sie mit Ihren eigenen Ansprüchen vermischt? Sie können das überprüfen, indem sie es bei Ihrem Vorgesetzten etwa folgendermaßen ansprechen: »Chef, ich habe derzeit folgende Aufgaben: XXX. Das schaffe ich nicht auf Dauer. Ich brauche Unterstützung. Ich werde es in der nächsten Teamsitzung ansprechen. Stehen Sie hinter mir?«

Auch wichtig: Vergleichen Sie sich nicht und lassen Sie sich nicht vergleichen, denn jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Es geht darum, dass Sie Ihre persönlichen Stärken erkennen, um sie dann optimal einzusetzen. Das ist in Ihrem Sinne und auch in dem Ihres Chefs und Ihres Teams.

Selbstkritik

Sind Sie mit der Qualität Ihrer Arbeit selten oder nie zufrieden? Sie können sich bei der Arbeit schlecht konzentrieren, weil Sie in Gedanken noch bei einer vorherigenTätigkeit sind, die Sie Ihrer Meinung nach nicht gut genug erledigt haben? Oder Sie sind gedanklich schon bei der nächsten Tätigkeit und treiben sich selbst zur Eile an, da Sie fürchten, sonst nicht mit allen Aufgaben fertig zu werden?

Hier sollten Sie der inneren selbstkritischen Stimme am besten zwei Gegenstimmen entgegensetzen. Die erste Stimme hilft Ihnen dabei, sich gegen den selbstgemachten inneren Druck abzugrenzen. Sie sagen also zu der Stimme, die Sie unter Druck setzt, etwa: »Jetzt nicht. Sei bitte still. Verzieh dich. Lass mich in Ruhe arbeiten.« Gehen Sie mit dieser drängenden Stimme genauso um, wie sie zum Beispiel am liebsten mit einem unangenehmen Drängler im Straßenverkehr verfahren würden, nur klarer und weniger freundlich. Die zweite Stimme ist dafür sehr freundlich und verständnisvoll. Diese wendet sich direkt an Sie und ermutigt Sie: »Du machst schon ganz viel. Du machst das sehr gut. Immer eins nach dem anderen.«

Häufige Unterbrechungen

Werden Sie bei der Erledigung Ihrer Aufgaben an manchen Tagen immer wieder unterbrochen? Etwa, indem Kolleginnen Sie etwas fragen oder Sie ansprechen, während Sie mitten im Arbeitsvorgang sind?

Auch hier ist es wichtig, bei sich zu bleiben und sich freundlich abzugrenzen. Etwa so: »Steffi, ich muss mich sehr konzentrieren, wenn ich die Rezepte für die Auslieferung fertig mache. Bei dieser Arbeit möchte ich nicht gestört werden.« Oder auch einfach: »Jetzt bitte nicht.« Ist dies nicht umsetzbar, muss es im Team angesprochen und verhandelt werden. Es gilt, eine Lösung zu finden, die für alle tragbar und umsetzbar ist.

Fehlende Abwechslung

Arbeiten Sie für Ihr Empfinden manchmal zu lange in einer Tätigkeit? Besonders im Beratungsgespräch am HV ist hohe Konzentration gefragt, viel Empathie und aktives Zuhören. Es prasseln jede Menge Eindrücke, private Schicksale und Diagnosen auf Sie ein. Hier kann es helfen, sich ab und an mit einer Kollegin abzuwechseln und für eine bestimmte Zeit einer anderen Tätigkeit nachzugehen, zum Beispiel, in Ruhe eine Rezeptur anzufertigen. Achten Sie darauf, wie lange Sie diese Abwechslung brauchen. Sie werden mit der Zeit ein Gespür dafür bekommen und können dann konkreter darum bitten, zum Beispiel für eine Stunde in die Rezeptur zu können.

Was bei Ihnen persönlich Stress erzeugt und wie oft Sie eine Abwechslung brauchen, hängt auch davon ab, ob Sie eher ein intrapersoneller oder ein interpersoneller Typ sind. Intrapersonelle Personen sind gerne für sich und arbeiten auch gerne alleine. Sie lieben es zum Beispiel, die Medikamente für den Botendienst vorzubereiten und Rezepturen anzufertigen. Denn dabei können sie konzentriert arbeiten, ohne Ansprache von außen. Es stört sie nicht, dass sie dabei keinen Kontakt mit anderen haben. Vielmehr kommen intrapersonelle Persönlichkeiten, wenn sie alleine arbeiten, schnell zu Energie. Dabei reichen oft schon kurze Momente, um die Akkus wieder aufzuladen.

Interpersonelle Typen lieben dagegen den Kontakt zu Menschen. In Beratungsgesprächen oder im Gespräch mit den Kollegen blühen sie auf. Es gibt ihnen Energie, mit Menschen in Kontakt und im Gespräch zu sein. Sie telefonieren gerne oder sind gerne im direkten Kontakt.

Die meisten Menschen sind natürlich Mischtypen, und das Bedürfnis nach Kontakt kann auch von der Tagesform abhängen. Wenn Sie Ihre Vorlieben analysieren und kennen, können Sie darauf achten, diese im Arbeitsalltag so weit wie möglich ausleben zu können. Anzeichen dafür, dass Sie eine Abwechslung brauchen, kann beispielsweise sein, dass Sie unkonzentriert oder unwirsch werden.

Dem Stress auf der Spur

Wenn Sie über eine längere Zeit zu viel Stress haben, kann sich das etwa daran zeigen, dass Sie abends keine Kraft mehr haben, Freunde zu treffen, das Gefühl haben, nie ausgeschlafen zu sein und schnell reizbar und überfordert sind. Wenn die Balance für Sie nicht stimmt, können Sie in Ihrem Team beispielsweise absprechen, dass Sie Aufgaben tauschen, wenn es in den Ablauf passt, auch stundenweise.

Auch für den Chef ist es von Vorteil, das Team dabei zu unterstützen, dass jeder möglichst nach seinen Neigungen und Stärken arbeitet. Wenn Sie mehr auf Ihre eigenen Bedürfnisse achten und sich im Team dabei gegenseitig unterstützen, dass jeder diese zu einem größeren Anteil leben kann, werden Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Konzentration erwartungsgemäß ansteigen.

Notizen am Abend

Was an Ihrer Arbeit hat Ihnen heute gut gefallen? Sie können beispielsweise eine Tabelle anlegen und über mehrere Tage oder Wochen analysieren, was Ihnen genau gefällt. War die Tätigkeit besonders selbstbestimmt, weil Ihnen niemand hineinreden konnte, oder sind es Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kopf für einen Moment abschalten können, wie bei Sortierarbeiten? Besonders bei Aufräum- und Sortierarbeiten können manche Menschen schnell entspannen, weil Sie merken, dass Sie sich auch innerlich ordnen, wenn Sie außen für Ordnung sorgen.

Je mehr Sie auf sich und Ihre Bedürfnisse schauen, desto eher werden Sie Ihre Stärken und Wünsche herausfinden. Es geht nicht darum, alle Aufgaben zugeteilt zu bekommen, die Sie sich wünschen, sondern sich so oft wie möglich wohl zu fühlen und seine Stärken optimal einzusetzen. Je mehr Dinge Sie gerne an ihrem Arbeitsplatz tun, desto mehr bleiben Sie in der inneren Balance.

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