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Reportage 
Trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lassen

Angst vor Rollstuhl

Sandras Krankengeschichte ist klassisch und füllt das, was die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft schreibt, mit Leben. »Bei der Mehrzahl der MS-Betroffenen tritt die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr auf, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die berufliche Entwicklung häufig noch nicht abgeschlossen ist, die Familienplanung eine Rolle spielt und viele private Zukunftsträume noch nicht verwirklicht sind. Die Konfrontation mit der Diagnose kommt häufig zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine wesentliche Behinderung besteht, aber sofort entsteht die Angst vor dem Rollstuhl.«

»Ich war 35, stand mitten im Berufsleben und hatte noch so viel vor, wie reisen zum Beispiel. Jetzt aber las ich im Internet Sachen wie: Sonne meiden, Anstrengungen meiden, emotionalen Stress meiden. Kurz: Ich sah mich schon allein in einem abgedunkelten Zimmer sitzen.«

Doch der Chefarzt klärte sie zu Symptomen und Verlauf einer MS auf und rückte das Bild, das sie davon hatte, gerade. Es gebe verschiedene Ausprägungen der Erkrankung. Mittlerweile seien die Medikamente und Therapien so weit entwickelt, dass ein Rollstuhl längst nicht mehr in jedem Fall sein müsse. Sogar ein Leben ohne große Einschränkungen sei möglich. Und moderates Sonnenlicht sei sogar gut, weil es das Immunsystem stärke.

Der Mediziner gab Sandra Broschüren an die Hand. »Ich las viel zum Thema Ernährung und Stressabbau bei MS und beschloss, wieder mit dem Reiten anzufangen. Ich liebe es, mit Pferden zusammen zu sein. Es entspannt mich besser als Yoga.« Zusätzlich machte sie sich auf der Homepage der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (www.dmsg.de) schlau. Kontakt zum Sozialdienst der Klinik nahm sie jedoch nicht auf. »Ich hatte vorerst genug Input.«

Sandra blieb damals zwei Wochen in der Klinik. Täglich erhielt sie eine Kortison-Infusion, um die Entzündungsherde in ihrem Körper zurückzudrängen. Danach kann sie wie vor dem Schub wieder beschwerdefrei gehen.

Im Krankenhaus lernte Sandra, wie der Pen funktioniert. »Das lief sehr gut. Und meine Angst, mich in Zukunft selbst zu spritzen, verflog.« Zwar brauchte Sandra noch Wochen, um die Diagnose wirklich zu verinnerlichen. »Mir war aber klar, dass ich an meiner Situation nichts ändern konnte. So beschloss ich, das Beste daraus zu machen.«

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