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Reportage 
Trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lassen

MS und Corona

Laut Aussagen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft sind MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten beziehungsweise mit Interferon beta oder Glatirameracetat behandelt werden, grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen an Covid 19 zu erkranken. Bei Menschen, die wie Sandra Dimethylfumarat nehmen, ist das Infektionsrisiko bei erniedrigter Lymphozytenzahl höher. »Zurzeit passe ich deshalb wegen der Covid-19-Infektion besonders gut auf mich auf und lasse mir Einkäufe liefern.«

Ihren Eltern hat Sandra im Übrigen nichts von ihrer Erkrankung gesagt. »Ich möchte ihnen ihren Lebensabend nicht verderben, weil ich weiß, dass sie sich täglich um mich sorgen würden.« Zwar waren sie 2008 mit im Krankenhaus, aber da hieß es, dass es nur ein MS-Verdacht sei. »Später dann erzählte ich ihnen, dass sich der Verdacht nicht bestätigt hätte«, gibt Sandra zu.

Die Krankheit fordert sie also auf vielen Ebenen heraus. »Sie bringt aber auch Gutes hervor«, sagt Sandra. »Ich rege mich weniger über Dinge auf, wenn sie nicht so laufen, wie ich das möchte, sondern sehe zu, dass ich den Tag so verbringe, dass er gut und schön wird.«

Im Alltag sucht sie darum nach Erlebnissen, die positiv sind und gute Gefühle auslösen. »Ich ziehe Kraft aus der Nähe zu Freunden und Familie, Sport, Ruhe und leckerem Essen – und bin dankbar dafür. Das sind wichtige Faktoren in meinem Leben.«

Viel Kraft gibt ihr auch die Beziehung zu ihrem Freund Sven (48). Mit dem Ingenieur ist sie seit einem Jahr zusammen. Ein paar Tage nach ihrem Kennenlernen erzählt sie ihm von ihrer Krankheit, und er reagiert überrascht. »Niemand sieht es mir an, dass ich krank bin«, sagt Sandra. Doch er ließ sich auf sie ein. Nicht weil sie krank ist, sondern weil er wusste, dass Sandra die Beste für ihn ist. Er begleitet sie zu Arztterminen und unterstützt sie durch seine Zuversicht und Lebensfreude.

Mittlerweile ist Sandra zu ihm in den 5000-Seelen-Ort Hitzacker nach Niedersachen gezogen. »Das Leben hier ist wesentlich entspannter als in der Großstadt. Wir spazieren oder radeln oft zusammen durch die Natur, und in solchen Momenten bin ich einfach nur glücklich. Es braucht nicht viel.«

Natürlich erlebt Sandra auch immer mal Tage, an denen sie ein Tief hat. Aber die lässt sie inzwischen einfach zu. »Ich will sie dann nicht krampfhaft ›wegmachen‹, weil sie nach einer Weile ohnehin von selbst gehen. Lediglich die Frage: ›Warum ausgerechnet ich?‹, die vermeide ich. Die lässt sich ohnehin nicht beantworten. Es ist, wie es ist.« Selbstmitleid bringt einen nicht weiter, davon ist Sandra überzeugt.

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* Name von der Redaktion geändert

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