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Lip- und Lymphödem

Ödem nicht gleich Ödem 

Entscheidend bei der Behandlung des Lymph- und Lipödems ist der Faktor Zeit. Je früher beide Erkrankungen erkannt und therapiert werden, umso besser stehen die Chancen, sie zu kontrollieren. Das derzeit wirkungsvollste, nicht-invasive Mittel ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Mittels Kompressionstherapie, manueller Lymphdrainage, Sport und Bewegung sowie konsequenter Hautpflege können Symptome gelindert und ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Die KPE besteht aus zwei Phasen. In der sogenannten Entstauungsphase spielt die Lymphdrainage eine wichtige Rolle. Ein- bis dreimal täglich wird mit dieser Form der Massage ein Dehnreiz auf die Haut und Unterhaut ausgeübt, der die Lymphbildung und den Lymphfluss anregt. Die Schwellung geht durch die Behandlung deutlich sichtbar zurück, kehrt aber wieder, sobald sich neue Gewebsflüssigkeit staut. Um den Effekt der Lymphdrainage möglichst lange zu erhalten, wird eine Kompressionsbandage angelegt, die bis zur nächsten Behandlung getragen werden muss. Durch den äußeren Druck wird der Einstrom der Gewebsflüssigkeit in das Lymphgefäßsystem verstärkt und der Lymphfluss in den noch funktionsfähigen Lymphgefäßen erhöht. Wie lang die Entstauungsphase dauert, ist abhängig vom Ausmaß der Erkrankung. Im Durchschnitt liegt sie bei zwei bis sechs Wochen. Bei einem reinen Lipödem in Stadium 1 kann sie mitunter ganz übersprungen werden.

An die Entstauungs- schließt die Erhaltungsphase an. Nun richtet sich die Behandlungshäufigkeit nach der Wiederbildung des Ödems ohne Lymphdrainage. Die Kompressionsbandage muss nur noch am Therapietag getragen werden, dazwischen kommen Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Ergänzt werden Lymphdrainage und Kompressionsbehandlung in beiden Phasen durch eine konsequente Hautpflege. Der direkte Kontakt mit den Kompressionsmaterialien und die lange Tragedauer können die Haut austrocknen und kleine Hautrisse begünstigen.

Vierte und letzte Komponente der KPE ist die sportliche Aktivität. Durch die Kontraktion der Muskeln wird der Druck auf den Zellzwischenraum erhöht und der Abtransport der Gewebsflüssigkeit gefördert. Lipödem-Betroffene unterstützt sie zusätzlich dabei, ihr Gewicht zu halten oder zu reduzieren und damit einer Verschlechterung der Krankheit vorzubeugen. Vielen Betroffenen fällt jedoch, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, Bewegung in der Öffentlichkeit schwer. Sie leiden unter der optischen Veränderung ihres Körpers, fühlen sich unwohl damit, die Kompressionskleidung offen zeigen zu müssen oder werden mit Vorurteilen konfrontiert. Sozialer Rückzug und starker psychischer Leidensdruck sind häufige Begleiter beider Ödemarten. Ein unterstützendes Umfeld ist nun hilfreich, um die Betroffenen zu motivieren und ihnen Mut zu machen.

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