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Offline ist nicht out

Meistens haben Menschen, die sich eine neue virtuelle Realität aufbauen, Schwierigkeiten in der realen Welt. Seien es soziale oder familiäre Konflikte, Probleme in der Schule oder auf der Arbeit, Perspektivlosigkeit oder einfach nur Einsamkeit und ein Außenseiterdasein: Im Internet ist alles anders, da können sich Menschen auch mit geringem Selbstwertgefühl eine imposante Scheinpersönlichkeit aufbauen. Die Nutzer sind abgelenkt und können sich der schmerzhaften Wirklichkeit stundenlang entziehen. Zudem sorgen Spiele und soziale Netzwerke für Glücksgefühle. Games wenden Belohnungssysteme an, ermutigen den Spieler, durch langes Dranbleiben immer mehr Ressourcen zu erwerben, um stärker zu werden, und binden ihn in ein soziales Spielernetzwerk ein, das andere Kontakte gefühlt ersetzt. Der Körper schüttet vermutlich erhöhte Mengen an Dopamin im Gehirn aus, das Verhalten wird bestärkt. Ähnlich funktioniert es bei sozialen Netzwerken: Veröffentlicht man Beiträge, wird man von anderen gesehen, bestenfalls bekommt man Bestätigung in Form von »Likes«. Diese tun gut und verleiten dazu, noch mehr zu veröffentlichen und von sich zu zeigen. Daraus kann schnell ein immenser Druck erwachsen. Erwarten meine Follower, dass ich jeden Tag etwas poste, dann will ich sie nicht enttäuschen.

Wenn sich Menschen jedoch zunehmend von der Wirklichkeit abschotten, hat das Folgen für das soziale, schulische oder berufliche Leben. Auch die Gesundheit leidet bei exzessiver Internetsucht und durchzockten Nächten. Betroffene schlafen oft viel zu wenig, um online nichts zu verpassen. Bisweilen vernachlässigen sie die Ernährung und nehmen hauptsächlich schnell verfügbares Fast Food zu sich. Die Bewegung kommt zu kurz, das Risiko, übergewichtig zu werden, steigt an. Auch das ständige Sitzen ist ungesund, Haltungsprobleme, Gelenk-, Nacken- und Kopfschmerzen, aber auch Sehstörungen können sich entwickeln. 

Angehörige und Freunde erkennen eine Abhängigkeit unter anderem daran, dass der Betroffene selbst wichtige Aufgaben vernachlässigt, sich sozial zurückzieht, andere Hobbys, Arbeit oder Schule an Bedeutung verlieren und die berufliche beziehungsweise schulische Leistung zurückgeht. Charakteristisch ist, dass die Patienten die Kontrolle über ihre Nutzung verlieren, sie machen weiter, obwohl es für sie negative Konsequenzen nach sich zieht. Zwingt man sie zum Entzug, reagieren sie gereizt oder gar aggressiv. Eltern, die sich sorgen, dass ihr Kind das Internet zu exzessiv nutzt, kann die PTA empfehlen, einen Selbsttest zum Nutzungsverhalten – verfügbar zum Beispiel auf computersuchthilfe.info – zusammen mit dem Nachwuchs zu machen.

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