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Ungesunde Ernährung

Pandemie fördert Übergewicht und Essstörungen

Schnell etwa Süßes statt ein warmes Mittagessen – im Lockdown schaffen es nicht alle, sich gesund zu ernähren. Vor allem bei Kindern könnten die Corona-Pfunde langfristige Folgen haben.
dpa
02.03.2021  13:00 Uhr

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf – und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Chips und Limo statt ein warmes Mittagessen in der Schule, regelmäßig Nudeln mit Pesto aus dem Glas, weil neben der Kinderbetreuung wenig Zeit bleibt, aber auch mehr Obst, Gemüse und frisch Gekochtes statt Currywurst und Pommes in der Kantine. »Bei der Ernährung gibt es gerade Licht und Schatten«, sagt Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Leidtragende könnten vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsstand sein. »Es zeigt sich, dass die Schere weiter auseinandergeht«, sagt Donalies. Gut gestellte Familien legten auch im Lockdown großen Wert auf eine ausgewogene Ernährung. In Familien mit eher niedrigem Bildungsstand und geringerem Einkommen fehle dagegen oft das Wissen, wie man sich gesund ernähre. Für viele der Kinder aus diesem Familien sei das Essen in den Kitas und Schulen deshalb besonders wichtig. »Es gibt Kinder, die bekommen in der Schule oder Kita die einzige ausgewogene Mahlzeit am Tag«, sagt Donalies. Ihr Risiko, in der Corona-Krise zuzunehmen, ist nach einer Studie von Münchner Ernährungsmedizinern und Ernährungsmedizinerinnen größer.

Mehr Sofa, mehr Snacks

Nach der repräsentativen Umfrage unter rund 1000 Familien hatten gut ein Viertel aller Eltern und 9 Prozent der unter 14-Jährigen im Laufe der Pandemie an Gewicht zugelegt. Bei den über 10-Jährigen aus Familien mit niedrigem Schulabschluss waren es sogar 23 Prozent, wie die Experten in der im Fachjournal »Annals of Nutrition and Metabolism« veröffentlichten Untersuchung schreiben.

»Die Kinder hocken mehr zu Hause rum. Sie bewegen sich zum Teil weniger und snacken mehr«, erläutert Autor Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. So aß ein Teil der Kinder in den befragten Familien zwar mehr Obst und Gemüse als vor der Pandemie. Etwa ein Fünftel aller Kinder griff aber auch öfter zu Schokolade, Chips und Limo. Vor allem Kinder über 10 Jahren langten bei süßen und salzigen Snacks häufiger zu.

Dass viele Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie ungesünder leben, ergab auch eine bundesweite Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zur seelischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von 7- bis 17-Jährigen. Dafür befragte das Forscherteam von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern. Danach ernährten sich viele Kinder und Jugendliche ungesund mit vielen Süßigkeiten, zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie trieben überhaupt keinen Sport mehr.

Der Ernährungsmediziner Hauner befürchtet deshalb, dass die Corona-Krise das Problem mit krankhaftem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verschärfen könnte – mit möglicherweise langfristigen Folgen. »Studien zeigen: Etwa 80 Prozent der adipösen Jugendlichen bleiben im späteren Erwachsenenalter adipös«, sagt Donalies. Und diese haben dann ein höheres Risiko für Diabetes, Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen.

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