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Für sicher erklärt

Paracetamol am Ende der Schwangerschaft 

Forscher der Berliner Charité haben vor Kurzem eine neue Sicherheitsabschätzung zu Paracetamol im letzten Drittel der Schwangerschaft veröffentlicht. Ihren Auswertungen zufolge hatte die Einnahme keinen Einfluss auf einen frühzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus Botalli oder die Nierenfunktion des Fetus.
PZ/Aponet
22.08.2019
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Bei ungeborenen Kindern nimmt der Blutkreislauf eine Abkürzung, da die Lunge vor der Geburt noch nicht arbeitet: den sogenannten Ductus arteriosus Botalli. Dieser Verbindungsgang leitet das Blut unter Umgehung der Lunge direkt von der Lungenarterie in die Hauptschlagader. Er verschließt sich normalerweise erst innerhalb der ersten Lebenstage nach der Geburt. Wenn das nicht der Fall ist, kann der Arzt mit bestimmten Schmerzmitteln nachhelfen. Umgekehrt können Schmerzmittel wie Ibuprofen einen frühzeitigen Verschluss dieses Gefäß verursachen. Das würde beim Kind zu einem Lungenhochdruck führen. Deshalb dürfen Schwangere nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) im dritten Trimenon, also ab der 28. Schwangerschaftswoche nicht mehr einnehmen. Das Mittel der Wahl ist dann Paracetamol.

Doch ist Paracetamol in dieser Hinsicht wirklich sicher? Das untersuchten Forscher des  Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Berliner Charité (Embryotox) nun anhand der Berichte von 1800 Schwangeren, die Paracetamol im ersten, zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel eingenommen hatten, aber kein NSAR im zweiten oder dritten Trimenon. Das Ergebnis veröffentlichten die Wissenschaftler kürzlich im Fachjournal »BJOG«.

Es gab keinen Unterschied zwischen Schwangeren, die im letzten Drittel der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, und Frauen, die das Medikament nur in den ersten beiden Dritteln angewendet hatten. Es kam weder häufiger zu vorzeitigen Verschlüssen des Ductus arteriosus Botalli noch zu mehr Nierenschäden oder Totgeburten.

Die Wissenschaftler halten die Einnahme von Paracetamol gegen Schmerzen in der Schwangerschaft deshalb für sicher, raten aber trotzdem vor allem nach wiederholter Einnahme zu einer Ultraschall-Untersuchung des Kreislaufsystems des Kindes. Generell sollten Schwangere (wie alle anderen Patienten auch) Paracetamol in der Selbstmedikation nur über wenige Tage in der maximalen Tagesdosis von 4000 mg einnehmen.

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