PTA-Forum online
Subkutane Untermieter

Parasiten in der Haut

Springer und Kriecher

Ursprünglich in den amerikanischen Tropen beheimatet, jetzt aber auch in Asien und Afrika zu finden, ist der Sandfloh (Tunga penetrans). Die ein bis zwei Millimeter großen Flöhe befallen vorzugsweise den Menschen und große Haustiere. Sie leben im sandigen Boden und bohren sich durch die Haut der Füße, vor allem zwischen den Zehen. Die Weibchen graben sich fast vollständig in die Haut, nur ihr Hinterteil mit der Geschlechtsöffnung bleibt sichtbar. Das Männchen bewegt sich auf der Haut und begattet das Weibchen, das nach der Blutmahlzeit mehrere tausend Eier absondert und danach abstirbt. Die Eier gelangen wieder in den Sand und entwickeln sich dort zu Larven, Puppen und adulten Flöhen. Der Befall ist für den Menschen lästig, an sich aber harmlos. Er verursacht Juckreiz, eine starke Entzündung und Schmerzen. Gefährlich kann eine begleitende Infektion mit Strepto- oder Staphylokokken oder mit Clostridium tetani, dem Erreger des Wundstarrkrampfes, werden. Urlauber, die barfuß am Strand laufen, sind ebenso Opfer wie die einheimische Bevölkerung. In afrikanischen und südamerikanischen Slums und verarmten Gemeinden ist die Tungiasis eine regelrechte Massenplage. Sie gehört zu den von der Weltgesundheitsorganisation WHO als besonders gravierend eingestuften vernachlässigten tropischen Armutskrankheiten. Aber auch im Süden Italiens wurden die Sandflöhe bereits gefunden, Bootsflüchtlinge aus Afrika haben sie möglicherweise mitgebracht. Die Behandlung ist einfach. Wissenschaftler der Berliner Charité haben eine Lösung aus zwei Dimeticonen unterschiedlicher Viskosität entwickelt, die über den Hinterleib der Weibchen in den Abdominalraum eindringen und die Tiere abtöten oder in ihrer Weiterentwicklung hemmen. Die Therapie ist wesentlich unkomplizierter als die bisher übliche chirurgische Praxis.

Der Hautmaulwurf (Larva migrans cutanea) wartet auf seine Opfer ebenfalls im Erdboden. Die Larven des Hundehakenwurms Ankylostoma (A.) brasiliense oder A. caninum gelangen mit dem Kot infizierter Hunde oder Katzen ins Erdreich. Innerhalb von Minuten dringen sie in die Haut ein und wandern in typischen mäandrischen Gängen ziellos durch die Oberhaut, da sie die Basalmembran nicht durchdringen können. Der Mensch stellt einen Fehlwirt dar, so dass die Larven nach Wochen bis Monaten absterben. Die leicht erhabenen Larvengänge sind nach wenigen Tagen sichtbar und jucken extrem stark, vor allem nachts. Komplikationen können durch Infektionen an der aufgekratzten Haut auftreten. Einheimische wie Touristen infizieren sich beim Sitzen oder Barfußlaufen am Strand oder über auf den Boden gelegte Wäschestücke. Larva migrans ist der häufigste Parasit, den Rückkehrer aus den Tropen mit nach Hause nehmen. Gegen die früher übliche lokale Behandlung mit Thiabendazol hat sich die einfachere orale Therapie mit Ivermectin (Mectizan®) oder Albendazol (Eskazole®) durchgesetzt.

Seite<123>
TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa