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Abhängigkeit und Fälschungen

Drogenberatung in der Apotheke – ein Spagat

Es sei nicht immer leicht, eine Rezeptfälschung zu erkennen beziehungsweise ein Verordnungsblatt auf Echtheit zu prüfen, berichtete Schiedermair. Er empfahl, mit dem Team einheitliche Regeln für den Umgang damit festzulegen. »Wir erklären dem Patienten, dass wir das Arzneimittel bestellen müssen und behalten das Rezept bei uns. Dadurch gewinnen wir Zeit, um den verordnenden Arzt zu ermitteln und zu kontaktieren.« An dieser Stelle flögen Fälschungen oft schon auf. In jedem Fall sei es ratsam, eine Personenbeschreibung zu notieren und eine Kopie des Rezeptes zu machen, um den möglicherweise nicht erreichbaren Arzt später zu kontaktieren.

Handelt es sich tatsächlich um eine Fälschung, sollte man umgehend die Polizei verständigen, die den Patienten bei Rückkehr in die Apotheke festnehmen kann. Schiedermair wies auf die Gefahr hin, dass Abhängige bestimmte Substanzen nicht nur zum Eigengebrauch, sondern auch zum Verkauf am Schwarzmarkt nutzen, wo sie dafür ein Vielfaches des Apothekenabgabepreises erzielen.

Vielen noch unbekannt ist der Status des Schmerzmittels Tilidin in der Jugendkultur. »Tili«, wie es Konsumenten fast schon liebevoll nennen, wird in sozialen Netzwerken wie Instagram als Statussymbol und Modedroge stilisiert. Rapper fungieren vor allem für junge Menschen als Vorbilder im Konsum der Droge, nicht zuletzt wegen der Texte über den Arzneistoff. Dies spiegelt sich in der Zunahme der ärztlichen Verordnungen von Tilidin auf Kassenrezept wider: um den Faktor 30 innerhalb von zwei Jahren, wie das Reportage-Magazin »STRG_F« des NDR im September meldete.

Anhand vieler Beispiele aus dem Apothekenalltag zeigte Schiedermair, dass Arzneimittelmissbrauch und Abhängigkeit wichtige Themen in der qualifizierten pharmazeutischen Beratung sind. »Als Heilberufler sind wir in der Lage abzuwägen und im Einzelfall zu entscheiden, welches Vorgehen sich eignet. Das Wichtigste ist, das Vertrauen zu erhalten, gerade bei Stammkunden. Sprechen Sie an, wenn Sie etwas Auffälliges bemerken, aber verurteilen Sie nicht.«

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