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Bundesjugendspiele

Pendeln zwischen Spaß und Qual

Die einen finden sie super, für die anderen sind sie ein Graus. Kaum ein anderes Schulereignis spaltet Generationen von Schülern, Lehrern und Eltern so sehr wie die Bundesjugendspiele.
Carina Steyer
05.07.2021  16:30 Uhr

Seit 1951 laufen, springen und werfen Jungen und Mädchen jedes Jahr im Rahmen der Bundesjugendspiele. Am Ende gibt es eine Urkunde. Für die guten Sportler eine Ehrenurkunde mit der Unterschrift des amtierenden Bundespräsidenten ( circa 20 Prozent). Leistungen im normalen Mittelfeld werden mit einer Siegerurkunde bedacht ( circa 50 Prozent). Seit 1991 gibt es für alle Schüler, die unterhalb der Mindestpunktzahl liegen, eine Teilnehmerurkunde ( circa 30 Prozent). Im Prinzip ein ähnliches Vorgehen wie bei der Leistungsbewertung in anderen Schulfächern auch, und doch erhitzen die Abläufe und Ergebnisse der Bundesjugendspiele die Gemüter wesentlich mehr als eine eins oder fünf in Mathe oder Deutsch.

Das zeigt sich nicht nur an Familientischen. 2015 hat Christine Finke, Autorin und Stadträtin aus Konstanz, eine größere Diskussion angestoßen. Sie hat die Bundesjugendspiele ihres Sohnes zum Anlass genommen und eine Petition gegen den Wettbewerb gestartet. In dieser forderte sie, die Bundesjugendspiele ganz abzuschaffen oder zumindest auf Freiwilligkeit umzustellen. Sport sollte Spaß machen und ein positives Körpergefühl vermitteln. Aber die Bundesjugendspiele leben von Wertung: Aufwertung und Abwertung einzelner auf Kosten anderer, schrieb sie damals auf ihrem Blog »Mama arbeitet«. Und weiter heißt es: »Die Bundesjugendspiele sind nicht mehr zeitgemäß. Der Zwang zur Teilnahme (Anmerkung: Seit 1979 ist die Teilnahme für alle Schüler bis zur 10. Klasse verpflichtend) und der starke Wettkampfcharakter sorgen bei vielen Schülern für das Gefühl, vor der Peergroup gedemütigt zu werden.« Mehr als 20.000 Menschen sahen das ähnlich und unterstützten die Petition. In den Kommentaren fanden sich Begriffe wie Demütigungsritual, Dokumentation des Versagens oder langweilige Warteveranstaltung mit weniger als eine Minute Bewegungszeit.

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