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ARZNEIPFLANZEN

Acker-Schachtel­halm

Der Acker-Schachtelhalm wird auch Zinnkraut, Scheuerkraut oder Kannenkraut genannt, weil er früher als Scheuermittel, insbesondere als Zinnputzmittel verwendet wurde. Medizinisch relevant ist er zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege.
Annette Immel-Sehr
24.03.2020
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Foto: Shutterstock/aga7ta
Foto: Shutterstock/Oleksandr Yakoniuk

Im Überblick

NAME
Acker-Schachtel­halm
BOTANISCHER NAME
Equisetum arvense
FAMILIE
Schachtelhalmgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Equisetaceae
WEITERE NAMEN
Zinnkraut, Scheuerkraut, Kannenkraut

Merkmale

  • verzweigtes unterirdisches Rhizom;
  • im Frühjahr blasse, etwa 20 cm hohe Stängel mit braunen, sporentragenden »Zapfen«;
  • im Sommer bis 50 cm hohe, quirlig verzweigte, grün bis grüngraue Sprosse; Stängel innen hohl, mit Längsrippen;
  • Stängel und Seitentriebe aus »geschachtelten«, 2 bis 6 cm langen Gliedern aufgebaut;
  • dazwischen knotenartige Verdickungen aus schuppen­artigen, mit­einander verwachsenen Blättchen

Heimat

  • gemäßigte Zonen der nördlichen Erdhalbkugel
  • Droge stammt vorwiegend aus Ost- und Südeuropa oder China

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

getrocknete oberirdische Teile der Pflanze (Equiseti herba)

Inhaltsstoffe

  • Kieselsäure
  • Silikate
  • Flavonoide
  • Kaffeesäurederivate

Anwendung

Kommission E:

  • zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankun­gen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß
  • innerlich beim posttraumatischen und statischen Ödem
  • äußerlich zur unterstützenden Behandlung schlecht heilender Wunden

Empfohlene Dosierung

  • mehrmals täglich eine Tasse warmen Schachtelhalmkrauttee trinken; Tagesdosis 6 g Droge
  • für äußere Umschläge: 10 g Droge auf 1 l Wasser

Nebenwirkungen

selten leichte Magenbeschwerden

Wechselwirkungen

keine bekannt

Abgabehinweise

  • bei Durchspülungstherapie auf reichliche Flüssigkeits­zufuhr achten
  • bei eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit keine Durchspülungstherapie durchführen
  • wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht bei Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 12 Jahren anwenden

Zubereitung

2 bis 3 Teelöffel Droge in 150 ml Wasser 5 bis 10 Minuten kochen, 15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen

Beispiele für Monopräparate

  • Schachtelhalmkraut Kapseln: Hecht-Pharma, Bios
  • Schachtelhalmkraut-Tee: H&S, Sidroga, Bombastus- Werke, Caelo
  • Ultra Protect Ackerschachtelhalm Nährkonzentrat
  • Zinnkraut Saft Schoenenberger
  • Beispiele für Kombipräparate
  • Blasen- und Nierentee II Klenk
  • Entschlackungstee N Aurica
  • Fugacid Blasen- und Nierentee III
  • H&S Blasen- und Nierentee
  • Nephroselect
  • Solidagoren Liquid

Weitere Informationen

Wie Farne und Moose gehört der Ackerschachtelhalm zu den entwicklungsgeschichtlich alten Gefäßsporen­pflanzen. Diese waren schon vor den Dinosauriern auf der Erde vertreten. Heute gibt es nur noch ungefähr 30  Arten. Sporenpflanzen vermehren sich durch Sporen und bilden keine Blüten.


Der Ackerschachtelhalm heißt im Volksmund auch Zinnkraut, Scheuerkraut und Kannenkraut. Das rührt daher, dass die Pflanze früher als Scheuermittel, insbesondere als Zinnputzmittel, verwendet wurde. Die Stängel mit ihrem hohen Anteil an Kieselsäureeinlagerungen sind rau und hart und eignen sich zum Polieren metallischer Oberflächen. Auch für den Feinschliff von Messerklingen soll das Scheuerkraut geeignet sein.

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