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ARZNEIPFLANZEN

Bärentraube

Die Blätter der Bärentraube wirken antibakteriell und helfen bei entzündlichen Erkrankungen der Blase und der ableitenden Harnwege.
Annette Immel-Sehr
07.04.2020
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Foto: Adobe Stock/Klaus Brauner

Im Überblick

NAME
Bärentraube
BOTANISCHER NAME
Arctostaphylos uva-ursi (L.)
FAMILIE
Heidekrautgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Ericaceae
WEITERE NAMEN
Sandbeere, Heidebeere

Merkmale

  • Niederliegender Zwergstrauch, bildet oft dichte Matten,
  • immergrüne, verkehrt-eiförmige, ledrige Laubblätter,
  • Oberseite dunkelgrün glänzend, Unterseite matt blassgrün,
  • glockenähnliche, rötlich-weiße Blüten im April-Mai,
  • im Herbst runde scharlachrote Beeren.

Heimat

Von der Iberischen Halbinsel über ganz Mitteleuropa bis Skandinavien, Sibirien, Altaigebirge, Himalaja, Nordamerika, bevorzugt saure, kalk- und nährstoff­arme Böden, sonnige und warme Standorte.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Getrocknete Laubblätter (Uvae ursi folium). Die Qua­lität ist im Europäischen Arzneibuch festgelegt. Die Droge stammt meist aus Wildsammlungen in Spanien und Italien. In Deutschland und anderen europäischen Ländern strenger Artenschutz.

Inhaltsstoffe

Arbutin (Hydrochinonglucosid) und andere Phenolglykoside, Gerbstoffe und Flavonoide.

Arbutin ist ein Prodrug, es wird im unteren Darmabschnitt in Hydrochinon und Glucose gespalten. Hydrochi­non wird gut resorbiert und in der Leber an Glucuron- und Schwefelsäure gebunden. So entstehen Hydrochinonkonjugate, die mit dem Harn ausgeschieden werden. Antibakteriell wirksam ist nur das freie Hydrochinon. Es wird im Harntrakt durch Erreger wie Escherichia coli wieder freigesetzt. In alkalischem Harn entsteht Hydrochinon auch durch Verseifung.

Anwendung

Unkomplizierte entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege.

Empfohlene Dosierung

Einzeldosis von 100 bis 210 mg und Tagesdosis von 400 bis 840 mg Hydrochinon-Derivate, berechnet als wasserfreies Arbutin.

Nebenwirkungen

Magenbeschwerden bei magenempfindlichen Personen aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes.

Wechselwirkungen

Arzneimittel, die zur Bildung eines sauren Harns führen, können die Wirkung von Bärentraubenblättern möglicherweise vermindern.

Kontraindikationen

  • Die Kommission E empfiehlt vorsorglich, Arbutin-haltige Arzneimittel ohne ärztlichen Rat nicht länger als eine Woche und höchstens fünfmal jährlich einzunehmen. Diese Einschränkung beruht auf Untersuchungen mit reinem Hydrochinon, das in vitro in hoher Konzentration mutagene Effekte zeigte.
  • Keine Anwendung bei Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.

Abgabehinweise

Während der Einnahme arbutinhaltiger Arzneimittel kann sich der Urin grünlich verfärben.

Zubereitung

Um den Gerbstoffgehalt (bei gleichem Arbutingehalt) gering zu halten, Kaltwasser-Mazerat zubereiten: 3 Gramm Droge pro 150 ml kaltem Wasser sechs bis zwölf Stunden ansetzen, gelegentlich umrühren, abseihen und dann kurz erhitzen.


Von diesem Tee sollten die Patienten bis zu viermal täglich eine Tasse trinken und zusätzlich zwei bis drei Liter Flüssigkeit, da Bärentraubenblätter nicht diuretisch wirken.

Beispiele für Monopräparate

  • Arctuvan® Bärentraubenblätter Filmtabletten
  • Cystinol akut® Dragees
  • Uvalysat®Bürger Dragees oder Lösung

Beispiele für Kombipräparate

  • Kombination aus Bärentraubenblättern und Echtem Goldrutenkraut: Cystinol® N

Weitere Informationen

Erstmals in dem englischen Kräuterbuch »Meddygon Myddvai« aus dem 13. Jahrhundert als Heilpflanze bei Erkrankungen der Harnwege erwähnt. Später als Mittel zum Gerben, Schwarzfärben von Wolle und als Beigabe zu Rauchtabak eingesetzt.

Ihre Verbreitung als Arzneimittel fand die Bärentraube erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Lange Zeit wurden die Gerbstoffe für die arzneiliche Wirkung verant­wortlich gemacht. Erst jüngere wissenschaft­liche Studien belegten die antibakterielle Wirkung der Bären­trauben­blätter.

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