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ARZNEIPFLANZEN

Brechwurz

Die Brechwurz wurde lange Zeit zur gezielten Auslösung eines Brechreizes eingesetzt, beispielsweise bei Vergiftungen. Seit es jedoch Apomorphin gibt, das stärker brechreizinduzierend wirkt und ein erheblich besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis hat, wird die Droge medizinisch nur noch in deutlich geringeren Dosen als Expektoranz angewendet
Thomas Zech
25.11.2020  17:28 Uhr
Foto: Adobe Stock/RealityImages

Im Überblick

NAME
Brechwurz
BOTANISCHER NAME
Carapichea ipecacuanha (syn. Cephaelis ipecacuanha)
FAMILIE
Rötegewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Rubiaceae
WEITERE NAMEN
Ipecacuanha, Ruhrwurzel, Speiwurzel, Kopfbeere

Merkmale

  • ca. 40 cm hohe Staude 
  • verholzte, bodennahe Sprossachse 
  • viele Wurzeln am Wurzelstock 
  • bis 7 cm lange, ganzrandig längliche Blätter 
  • weiße Blüten zwittrig in köpfchenförmigen Blütenständen 
  • ein- bis zweisamige Steinfrucht 

Heimat

  • tropische Gebiete in Mittel- und Südamerika 

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete und zerkleinerte Wurzel (Ipecacuanhae radix), meist als Extrakt, alternativ als Pulver 

Inhaltsstoffe

  • Alkaloide, wie Emetin und Cephaelin 
  • iridoide Isochinolinglucoside 
  • Stärke 
  • Pflanzensäuren 

Anwendung

  • weder vom HMPC noch von der Kommission E oder ESCOP bewertet 
  • aufgrund des schlechten Nutzen-Risiko-Verhältnisses heute keine Relevanz mehr 
  • nur noch selten verwendet als Hustenlöser in Kombination mit anderen Drogen, bei Magen-Darm-Beschwerden oder zum Auslösen von Brechreiz 

Empfohlene Dosierung

  • Bei Extrakten abhängig vom Hersteller; allerdings sind Äquivalenzdosen von 150 mg Emetin pro Dosis beziehungsweise 1 g pro Tag als absolute Höchstdosen anzusehen. 
  • Alternativ können in der Apotheke Einzeldosenrezepturen z. B. aus eingestelltem Ipecacuanha-Fluidextrakt hergestellt werden (s. NRF 19.1). 
  • Anwendungsformen, bei denen der Patient selbst dosiert, sind abzulehnen. 

Nebenwirkungen

  • Erbrechen 
  • Blutdruckabfall 
  • Pulsrasen 
  • krampfartiger Husten 
  • übermäßige Speichelbildung 
  • giftig! Kann bei Überdosierung zum Koma führen! 

Wechselwirkungen

  • aufgrund des möglichen Brechreizes keine gleichzeitige Einnahme von anderen peroralen Arzneiformen

Kontraindikationen

  • Allergie gegen Brechwurz 
  • Schwangerschaft/Stillzeit 

Abgabehinweise

  • auf keinen Fall überdosieren 
  • Kombination mit anderen peroralen Arzneiformen vermeiden 
  • Ipecacuanha-Rezepturen zur Geschmacksverbesserung beispielsweise mit Apfelsaft verdünnen 

Weitere Informationen

  • Die Droge kam im 17. Jahrhundert nach Europa und wurde von einigen bekannten Persönlichkeiten verbreitet, darunter der französische Arzt Helvétius und der deutsche Universalgelehrte Leibniz. Vor allem in der Behandlung der weit verbreiteten Dysenterie (Ruhr) erwies sich die Droge als erfolgreich, was auch den alternativen Namen „Ruhrwurzel“ erklärt. 
  • Als medizinisch verwendetes Emetikum ist die Brechwurz praktisch obsolet, jedoch wird ihre emetische Wirkung in einigen Ländern in der Drogenfahndung genutzt, um verschluckte Rauschgifte ausfindig zu machen. 
     
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