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ARZNEIPFLANZEN

Cranberry

Cranberry ist die amerikanische Verwandte der Preiselbeere. Schon die Indianer schätzten die leuchtend roten Beeren als Nahrungs- und Heilmittel. In Deutschland werden sie heute zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten eingesetzt sowie beim Kochen und Backen.
Annette Immel-Sehr
15.04.2020  14:29 Uhr
In den USA werden jährlich circa 300.000 Tonnen Cranberrys verarbeitet, nur ein kleiner Teil davon pharmazeutisch. / Foto: Adobe Stock/Martins Vanags
Foto: iStock/victoriya89

Im Überblick

NAME
Großfrüchtige Moosbeere
BOTANISCHER NAME
Vaccinium macrocarpon
FAMILIE
Heidekrautgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Ericaceae
WEITERE NAMEN
Kranbeere

Merkmale

  • bis 20 cm hoher Strauch
  • bis zu 2 m lange kriechende Triebe am Boden
  • schmale elliptische, ledrige Blättern
  • kleine weiße bis rosafarbene Blüten mit zurückgeschlagenen Zipfeln
  • Blütezeit April bis Mai
  • kirsch- bis olivengroße rote Früchte mit hellem Fruchtfleisch, vier Luftkammern mit Samen

Heimat

  • östliches Nordamerika
  • Droge stammt aus Kulturen in Nordamerika

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete, reife Früchte (Vaccinii macrocarponii fructus)
  • nicht im Arzneibuch enthalten

Inhaltsstoffe

  • organische Säuren (China- und Zitronensäure)
  • Catechin-Gerbstoffe
  • oligomere Procyanidine
  • Anthocyane
  • Flavonoide
  • Vitamin C
  • Phenolcarbonsäuren

Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung:

  • vorbeugend gegen Harnwegsinfekte (ESCOP)

Empfohlene Dosierung

Erwachsene: zweimal täglich 400 bis 500 mg Cranberry-Trockenextrakt in Kapseln oder 300 bis 700 ml Cranberry-Saft mit mindestens 160 mg/l Procyanidinen in 2 bis 3 Portionen über den Tag verteilt

Nebenwirkungen

keine bekannt

Wechselwirkungen

möglicherweise mit gerinnungshemmenden Arzneistoffen wie Phenprocoumon und Warfarin

Kontraindikationen

keine bekannt 

Abgabehinweise

Männer sollten vor der Anwendung von Cranberry-Früchten die Ursache der Harnwegsbeschwerden ärztlich abklären lassen.

Beispiele für Monopräparate

  • Cranberry Kapseln von Avitale, Allpharm oder Hecht-Pharma
  • Urovit

Beispiele für Kombipräparate

  • Cranberry + D-Mannose
  • Cranberry-36
  • Cranberry Meerettich bios kapseln
  • Cranberry Vit
  • Cystorenal Cranberry plus

Weitere Informationen

Spektakuläre Ernte

In den USA werden jährlich ca. 300 Tausend Tonnen Cranberrys verarbeitet, nur ein kleiner Teil davon pharmazeutisch. Die Ernte erfolgt auf zwei Arten: trocken oder nass. Bei der Trockenernte pflücken kleine Erntemaschinen die Beeren direkt von den Stielen. Sie gelangen als Frischfrüchte in den Handel. Bei der Nassernte fluten die Farmer die Cranberry-Felder bis zu 45 Zentimeter hoch mit Wasser. Die vier Luftkammern jeder Beere bewirken, dass sie schwimmt. Während der Erntezeit prägen rote Seen aus Millionen schwimmender Beeren die Landschaft im Norden der USA. Nach dem Fluten werden die abgelösten Beeren abgesaugt. 95 Prozent der Cranberrys werden nach dieser Methode geerntet. Die nassen Beeren werden überwiegend zu Saucen und Saft verarbeitet.

 

 

Wirkmechanismus

Die Proanthocyanidine der Cranberry verhindern das Andocken von Escherichia coli an den Schleimhäuten der Harnwege, indem sie die sogenannten Fimbrien der Bakterien verkleben. Dies sind elektronenmikroskopisch sichtbare Zellanhänge, mit denen sich die Erreger an Zelloberflächen anheften. Die Adhäsion der Bakterien gilt als Voraussetzung für eine Infektion. Ist also ein Anheften nicht mehr möglich, werden die Bakterien beim Wasserlassen aus der Blase herausgespült.