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ARZNEIPFLANZEN

Engelwurz

Die Echte Engelwurz war schon in früheren Zeiten als Allheilmittel beliebt. Er wurde auch als Gewürz und von Mönchen für »himmlische« Liköre verwendet. Heute ist sie vor allem bei Magenbeschwerden und Blähungen geschätzt.
Annette Immel-Sehr
15.04.2020  15:29 Uhr
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Foto: Adobe Stock/Elena Odareeva
Foto: Shutterstock/Scisetti Alfio

Im Überblick

NAME
Echte Engelwurz
BOTANISCHER NAME
Angelica archangelica
FAMILIE
Doldengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Apiaceae
WEITERE NAMEN
Zahnwurz, Brustwurz, Heiligenbitter, Heiliggeistwurzel, Giftwurz, Glückenwurzel

Merkmale

  • krautige, meist zweijährige Staude, bis zu 2 m hoch, etwa 5 cm dicker, rübenförmiger Wurzelstock mit gelblichem Milchsaft und zahlreichen, bis zu 30 cm langen, dünnen (Adventiv-)Wurzeln
  • dicker, hohler, fein gerillter und nach oben verzweigter Stängel; zwei- bis dreifach gefiederte, bis 90 cm große Blätter mit breiter, sackartig aufgeblasener Blattscheide
  • zahlreiche, schwach grünliche Blüten in sehr großen, halbkugelförmigen Doppeldolden
  • Blütezeit Juni bis August; 5 bis 8 mm lange, blassgelbliche Früchte, die in jeweils zwei Teilfrüchte zerfallen

Heimat

  • gemäßigte Zonen Europas und Asiens
  • Droge stammt vorwiegend aus Kulturen in Thüringen, Polen und Holland

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete unterirdische Teile, bestehend aus dem Wurzelstock und den Wurzeln (Angelici radix)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl mit Mono- und Sesquiterpenen
  • Furocumarine und prenylierte Cumarine
  • verschiedene Phenolcarbonsäuren und Fettsäuren
  • Saccharose

Anwendung

  • dyspeptische Beschwerden wie leichte Magen-Darm-Krämpfe, Völlegefühl, Blähungen, Appetitlosigkeit

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 2 bis 3 mal täglich eine Tasse Angelikawurzeltee trinken
  • zur Appetitanregung jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten trinken
  • Tages­dosis: 4,5 g Droge.

Nebenwirkungen

Die in Angelikawurzel enthaltenen Furocumarine können die Haut lichtempfindlicher machen und bei UV-Bestrahlung zu photo­toxischen Reaktionen führen.

Wechselwirkungen

keine bekannt

Abgabehinweise

  • wegen möglicher fototoxischer Reaktionen an der Haut auf längere Sonnenbäder und intensive UV-Bestrahlung verzichten.
  • sinnvoll mit anderen Drogen wie Tausendgüldenkraut, Wermutkraut und Schafgarbenkraut (Magentees) oder mit Kümmel und Fenchel (Magen-Darm-Tees) zu kombinieren
  • Für die Anwendung bei Schwangeren, Stillenden sowie Kindern und Jugendlichen liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.

Zubereitung

  • 1,5 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Angelika­wurzel mit circa 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 bis 15 Minuten abseihen
  • alternativ: mit kaltem Wasser ansetzen und kurz aufkochen

Beispiele für Kombipräparate

  • itterstern Kräuterbitter
  • Carvomin®
  • Gasteo®
  • Gastritol® Liquid
  • Iberogast®
  • Klosterfrau Melissengeist

Weitere Informationen

Im Mittelalter bauten zahlreiche Klöster, vor allem die der Benediktiner und später auch die der Kartäuser, die Pflanze in großem Umfang an. Der Wurzelextrakt ist ein wichtiger Bestandteil von Magen- und Bitterlikören wie Bénédictine und Chartreuse.

Im Erzgebirge hat die Nutzung der Engelwurz eine lange Tradition, in dem kleinen Dorf Bockau schon seit über 500 Jahren. Hier wurde die Angelika-Pflanze bis 1989 feldmäßig angebaut und zu Tinkturen, Essenzen, Pillen und Likör verarbeitet. In Bockau hat auch die Erzgebirg­ische Destillerie und Liqueurmanufaktur GmbH ihren Sitz, der einzige Hersteller von reinem Angelika-Likör in Deutschland.

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