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ARZNEIPFLANZEN

Gänsefingerkraut

Das Gänsefingerkraut wird schon sehr lange in der traditionellen nordeuropäischen Heilkunde angewendet. Ursprünglich wurde es vor allem gegen Krämpfe, aber auch bei Cholera, Ruhr und Blutungen eingesetzt. In der modernen Phytotherapie ist es eine klassische Gerbstoffdroge, mit der besonderen Indikation Dysmenorrhoe.
Thomas Zech
08.12.2020  17:08 Uhr
Foto: Adobe Stock/leonikonst
Foto: Okapia/Manfred Ruckszio
Foto: Adobe Stock/Heike Rau

Im Überblick

NAME
Gänsefingerkraut
BOTANISCHER NAME
Argentina anserina (L.) Rydb., Potentilla anserina L.
FAMILIE
Rosengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Rosaceae
WEITERE NAMEN
Anserine, Dreckkraut, Gänserich, Martinshand, Silberblatt

Merkmale

  • mehrjähriges niedriges Kraut 
  • lange bewurzelte Ausläufer 
  • gefiederte Blätter mit grob gesägtem Rand 
  • 5-zählige lang gestielte gelbe Blüten mit Polyandrie 
  • Früchte: kleine Nüsschen 

Heimat

  • gemäßigte Gebiete der Nordhalbkugel 

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • um die Blütezeit geerntetes, getrocknetes und zerkleinertes Kraut (Anserinae herba) 

Inhaltsstoffe

  • Gerbstoffe, vor allem Eligatannine  
  • Flavonoide 
  • Phenolcarbonsäuren 
  • Cumarine 
  • Polyprenole 

Anwendung

  • nicht bewertet durch HMPC 
  • nach Kommission E: bei Dysmenorrhoe, akuten unspezifischen Durchfallerkrankungen sowie leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut 

Empfohlene Dosierung

  • Tee 2- bis 3-mal täglich trinken oder gurgeln 

Nebenwirkungen

  • mögliche Verstärkung einer Reizmagen-Symptomatik 

Wechselwirkungen

  • keine bekannt 

Kontraindikationen

  • Allergie gegen Gänsefingerkraut 

Abgabehinweise

  • bei anhaltenden Durchfällen von mehr als 3 Tagen sowie bei Begleitsymptomatik wie blutigem Stuhl oder Fieber Arzt aufsuchen 
  • bei anhaltenden schweren Entzündungen des Mund- oder Rachenraumes Arzt oder Zahnarzt aufsuchen 

Zubereitung

  • 2 g Droge mit 150 ml siedendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen 

Beispiele für Kombipräparate

  • Gasteo® 
  • Gastritol® 
  • Solidagoren® 

Weitere Informationen

  • Das Gänsefingerkraut wurde lange Zeit als Fingerkraut (Potentilla) eingeordnet, wie auch der Name schon zeigt. Neuere genetische Untersuchungen zeigen jedoch, dass es eher in die Gattung der Silberkräuter (Argentina) einzustufen ist. 
  • Das Gänsefingerkraut wuchs früher oft auf Wiesen, auf denen Gänse gehalten wurden. Insbesondere den Jungtieren wurde es zudem in das Futter gemischt. Daher kommt vermutlich der Name. 
  • Sebastian Kneipp verwendete das Gänsefingerkraut besonders gerne in milchigen Auszügen gegen Krämpfe und Cholera. 
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