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ARZNEIPFLANZEN

Gefleckter Schierling

In der Antike und im frühen Mittelalter war der Gefleckte Schierling ein häufig verwendetes Gift, bei dem jeder Rettungsversuch erfolglos blieb. Während das Kraut dann im späten Mittelalter in einer Vielzahl von Schmerz-, Schlaf- und Betäubungsmitteln eingesetzt wurde, hat es heute aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite in der Medizin keine Bedeutung mehr.
Luisa Burgers
09.02.2021  17:37 Uhr
Foto: Getty IMAGES/Ian_Redding

Im Überblick

NAME
Gefleckter Schierling
BOTANISCHER NAME
Conium maculatum L.
FAMILIE
Doldenblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Apiaceae
WEITERE NAMEN

Merkmale

  • überwinterndes ein- bis zweijähriges, bis zu 2,5 m hohes Kraut 
  • runder fein gerillter teilweise rötlich gefleckter Stängel 
  • zwei- bis vierfach gefiederte dunkel- bis graugrüne Blätter 
  • weißliche Blüten in zusammengesetzten Dolden 
  • 2 bis 3 mm lange eiförmige unbehaarte Früchte mit wellig-gekerbten Rippen 

Heimat

  • Europa 
  • Asien 
  • Nordamerika 

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Schierling wird auf Grund der geringen therapeutischen Breite medizinisch nicht mehr verwendet.  

Inhaltsstoffe

  • Piperidin-Alkaloide mit Coniin 

Empfohlene Dosierung

  • tödliche Dosis für Erwachsene bei oraler Aufnahme: 0,5 bis 1 g Coniin 

Nebenwirkungen

  • bei Überdosierung: Lähmung der motorischen Zentren des Rückenmarks, der quergestreiften Muskulatur sowie der vegetativen Ganglien und sensiblen Nervenenden 

Beispiele für Kombipräparate

  • verschiedene Homöopathika 

Weitere Informationen

Bis heute berühmt ist der Schierlingsbecher, mit dem Sokrates im Jahre 399 v. Chr. hingerichtet wurde. Aufgrund seines Rufs als Giftpflanze wurde der Gefleckte Schierling in der Antike nur selten medizinisch eingesetzt. Noch im Mittelalter warnte Hildegard von Bingen vor dem inneren Gebrauch dieser Pflanze und wies auf die Verwechslungsgefahr mit Petersilie oder Pastinak hin. Im späten Mittelalter dagegen wurde der Gefleckte Schierling in Kombination mit anderen Pflanzen in einer Vielzahl von Schmerz-, Schlaf- und Betäubungsmitteln eingesetzt. Doch außer den analgetischen, sedativen und narkotischen Eigenschaften dieser Mittel wirkten die Zubereitungen auch stark halluzinogen, was zum Missbrauch verleitete. Das brachte den Gefleckten Schierling in Verruf und ließ ihn im 16. Jahrhundert aus den Arznei- und Kräuterbüchern verschwinden.

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