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ARZNEIPFLANZEN

Goldrute

Die Echte Goldrute zählt zu den bekannten Heilpflanzen für die Behandlung von Harnwegserkrankungen. Als Tee oder Fertigpräparat wird sie möglichst schon bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung eingesetzt.
Annette Immel-Sehr
28.04.2020  15:40 Uhr
Foto: Getty Images/Solidago virgaurea

Im Überblick

NAME
Echte Goldrute
BOTANISCHER NAME
Solidago virgaurea
FAMILIE
Korbblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Asteraceae
WEITERE NAMEN
Gewöhnliche Goldrute, Himmelsbrand, Goldene Jungfrau, Wundkraut, Schoßkraut

Merkmale

  • bis zu 1 m hohe ausdauernde krautige Pflanze
  • schwach gerillter Stängel, oft weißlich bereift, im oberen Teil behaart
  • untere Laubblätter eiförmig oder elliptisch, mittlere Laubblätter länglich-elliptisch, oberste Laubblätter sitzend und schmal lanzettlich
  • Blattrand unregelmäßig gezähnt
  • leuchtend gelbe Blütenköpfchen in einfachen oder zusammengesetzten Trauben
  • Blütezeit Juli bis September
  • einsamige Schließfrüchte mit Pappus

Heimat

  • Europa
  • Droge stammt aus Kulturen in Deutschland, Polen und den Balkanländern

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

getrocknete oberirdische, blühende Teile (Solidaginis virgaureae herba)

Inhaltsstoffe

  • Flavonoide
  • Triterpensaponine
  • Phenolglykoside

Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung:

  • zur Durchspülung der Harnwege, insbesondere bei Entzündungen und Nierengrieß, und unterstützend bei der Behandlung bakterieller Infekte der Harnwege (ESCOP)
  • zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Harnsteinen und Nierengrieß; zur vorbeugenden Behandlung bei Harnsteinen und Nierengrieß (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

Teeaufguss: 2- bis 4-mal täglich eine Tasse Echtes Goldrutenkrauttee zwischen den Mahlzeiten trinken; mittlere Tagesdosis 10 bis 20 g Droge

Nebenwirkungen

selten leichte Magenbeschwerden

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit
  • zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor

Abgabehinweise

  • Kombination mit anderen Drogen wie Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter, Birkenblätter oder Brennnesselblätter ist sinnvoll (Blasen- und Nierentee, Harntee).
  • nicht mit synthetischen Diuretika kombinieren
  • bei einer Durchspülungstherapie reichlich Flüssigkeit trinken,
  • bei Verschlimmerung der Beschwerden (z.B. Fieber, Harnverhalten, Blut im Urin) Arzt aufsuchen

Zubereitung

3 bis 5 g (1 bis 2 Teelöffel) fein geschnittenes Echtes Goldrutenkraut mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Minuten abseihen

Beispiele für Monopräparate

  • Cystinol long®
  • Cysto Fink® mono
  • Solidago Steiner®
  • Nieral® 100

Beispiele für Kombipräparate

  • Freetox® Tee Goldrute Kamille
  • HEUMANN Blasen- und Nierentee SOLUBITRAT® uro
  • Harntee 400 TAD® N
  • Nephroselect®

Weitere Informationen

Neben der heimischen echten Goldrute haben sich Mitte des 15. Jahrhunderts zwei amerikanische Arten in Europa eingebürgert, die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und die Riesengoldrute (Solidago gigantea). Beide Gewächse wurden als Zierpflanzen eingeführt, verwilderten aber rasch. Sie gelten als Neophyten (»Neu-Pflanzen«). So werden nichtheimische Pflanzen bezeichnet, die sich aufgrund geeigneter Umweltbedingungen in der freien Natur ansiedeln und stark vermehren. Die eingewanderten Goldrutenarten breiten sich nicht nur über unterirdische Rhizome aus, sondern auch über die Samen, die mit ihrem Pappus sehr gut fliegen. Die mehr als meterhohen Stauden bedecken auf diese Weise schnell größere Flächen.