PTA-Forum online
ARZNEIPFLANZEN

Heidelbeere

Die Heidelbeere kann nicht nur mit köstlichen Früchten aufwarten, sie gilt auch als traditionelle Heilpflanze, der vielfältige Heilwirkungen zugeschrieben werden.
Annette Immel-Sehr
20.05.2020  14:56 Uhr
Foto: Getty Images/Aki Myllys

Im Überblick

NAME
Heidelbeere
BOTANISCHER NAME
Vaccinium myrtillus
FAMILIE
Erikagewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Ericaceae
WEITERE NAMEN
Blaubeere, Bickbeere, Schwarzbeere, Hallbeere

Merkmale

  • 20 bis 50 cm hoher Zwergstrauch mit scharfkantigen Zweigen
  • eiförmige, sehr kurz gestielte Blätter mit fein gesägtem Rand
  • in den Blattachseln blassrote bis grünliche, glockige Blüten
  • Blütezeit April bis August
  • blauschwarze, weißlich bereifte, kugelige Früchte mit süß-aromatischem Geschmack

Heimat

  • Mittel- und Nordeuropa, Asien und Nordamerika
  • Droge stammt vorwiegend aus Wildvorkommen in Südost-Europa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Getrocknete Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus siccus, Ph. Eur.)
  • Getrocknete Heidelbeerblätter (Myrtilli folium, DAC)
  • Frische Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus recens, Ph. Eur.) werden ausschließlich in Fertig­arzneimitteln verarbeitet.

Inhaltsstoffe

Heidelbeerfrüchte:

  • Anthocyane
  • Catechingerbstoffe (getrocknete Früchte)
  • Invertzucker (getrocknete Früchte)


Heidelbeerblätter:

  • Catechingerbstoffe
  • Flavonoide
  • Phenolcarbonsäuren
  • Iridoide

Anwendung

Getrocknete Heidelbeerfrüchte:

  • unspezifische, akute Durchfallerkrankungen (ESCOP, Kommission E)
  • äußerlich zur lokalen Therapie von leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleim­haut sowie von oberflächlichen Wunden (ESCOP, Kommission E)


Heidelbeerblätter:

  • Anwendung nicht empfohlen, ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis (Negativmonographie der Kommission E)
  • Volkstümliche Anwendung: allenfalls kurzfristig innerlich bei leichtem Durchfall, äußerlich zu Spülungen und Waschungen
  • Anthocyanhaltige Fertigarzneimittel mit Heidelbeerextrakt werden unter anderem zur Verbesserung der Nachtsehleistung angewendet.

Empfohlene Dosierung

  • mehrmals täglich eine Tasse frisch bereiteten Heidelbeerfrüchtetee trinken
  • alternativ: mehrmals täglich einen Esslöffel getrocknete Heidelbeeren kauen
  • Tagesdosis 20 bis 60 g Droge

Nebenwirkungen

keine bekannt

Wechselwirkungen

keine bekannt

Abgabehinweise

  • Bei länger als drei bis vier Tage anhaltendem Durchfall ist ein Arztbesuch angeraten.
  • Nicht bei Kindern unter vier Jahren anwenden.
  • Bei längerer Einnahme von Heidelbeerblätter- Tee in hohen Dosen können Vergiftungs­erscheinungen auftreten, Anwendung nicht empfehlenswert.

Zubereitung

Getrocknete Heidelbeerfrüchte: 5 bis 10 g frisch gequetschte Heidelbeerfrüchte mit 150 ml kaltem Wasser versetzen, Ansatz 10 Min. zum Sieden erhitzen, dann sofort abseihen

Beispiele für Monopräparate

  • Heidelbeerfrüchte-Tee, zum Beispiel von Bombastus, Salus Pharma
  • Nahrungsergänzungsmittel: Heidelbeer E 400 mg, zum Beispiel von Hecht-Pharma

Beispiele für Kombipräparate

  • Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel Lutein Kapseln 6 mg + Heidelbeer (Avitale), Medox®, Sovita Care Lutein Kapseln

Weitere Informationen

Heidelbeerzweige sind in den Umrandungen des Großen Siegels der Universität Heidelberg abgebildet. Kurfürst Ruprecht I. gab dieses Siegel im Jahr 1386 zur Gründung der Universität in Auftrag. Es ist das älteste bekannte Zeugnis der Ver­­knüpfung der Heidel­beere mit der Stadt Heidelberg.


Die liebe Verwandtschaft ...

Auf den ersten Blick kann die Heidelbeere leicht mit der ebenfalls blauen Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) verwechselt werden, deren Fruchtfleisch und Saft jedoch im Gegen­satz zur Heidelbeere hell sind. Die Beeren sind zudem etwas größer und länglich. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der runde Stängel der Rauschbeere. Rauschbeerfrüchte schmecken süßlich, aber wenig aromatisch. Vom Verzehr größerer Mengen wird abgeraten, da sie gelegentlich rauschartige Erregung, Erbrechen, Pupillenerweiterung und Schwindel­gefühl hervorruft. Es wird vermutet, dass ein in der Rauschbeere schmarotzender Pilz (Monilinia megalospora) für die Vergiftungs­symptome verantwortlich ist.

TEILEN
Datenschutz