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ARZNEIPFLANZEN

Isländisches Moos

Isländisch Moos ist botanisch gesehen kein Moos, sondern eine Flechte. Trotz ihres bitteren Geschmacks diente es Tieren und Menschen der arktischen Länder in Notzeiten als Nahrung.
Annette Immel-Sehr
26.05.2020  14:56 Uhr
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Foto: Getty Images/hekakoskinen

Im Überblick

NAME
Isländisches Moos
BOTANISCHER NAME
Cetraria islandica (L.) Acharius s.l.
FAMILIE
Schüsselflechten
BOTANISCHE FAMILIE
Parmeliaceae
WEITERE NAMEN
-

Merkmale

  • aufrecht wachsender, bis 12 cm hoher gelappter Flechtenkörper (Thallus)
  • 0,5 bis 2 cm breite Lappen, geweihartig verzweigt, rinnig oder röhrenförmig eingerollt, diese sind borstenartig bewimpert, auf der Oberseite blaugrün, auf der Unterseite
  • weißlich grau und weiß gefleckt
  • kleine, schüsselartige, braune Fruchtkörper (Apothecien) auf der Oberseite der Lappenenden, meist erst nach Jahren

Heimat

  • nördliche Gebiete Europas, Nordasiens und Nordamerikas
  • Droge stammt aus Wildsammlungen vor allem in den skandinavischen Gebieten, den Balkanländern und Russland

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • ganzer oder zerkleinerter Thallus (Lichen islandicus)

Inhaltsstoffe

  • Polysaccharid-Schleimstoffe
  • bitter schmeckende Flechtensäuren

Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

  • trockener Husten, Entzündungen der Mund- und Rachen­schleimhaut (ESCOP, Kommission E)
  • Appetitlosigkeit (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

Teeaufguss: mehrmals täglich eine Tasse Isländisch-Moos-Tee trinken. Tagesdosis 4 bis 6 g Droge

Nebenwirkungen

keine bekannt

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

keine bekannt

Abgabehinweise

Zur Anwendung des Tees während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.

Zubereitung

2 bis 4 g fein geschnittenes Isländisches Moos mit 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen. Um die Bitterstoffe abzutrennen: Nach dem Übergießen das Wasser sofort abgießen und Droge erneut mit 150 ml siedendem Wasser übergießen.

Beispiele für Monopräparate

  • Aspecton® Hustenstiller Isländisch Moos
  • Herbisland Sirup
  • Isla® Moos Pastillen
  • Stilaxx® Hustenpastillen Isländisch Moos

Beispiele für Kombipräparate

  • Anginetten® Stimme Lutschtabletten
  • Antall® bei Reizhusten und Heiserkeit Liquidsticks
  • Dallmann's Isländisch Moosbonbons
  • Isla® med akut, med hydro+, med voice
  • Sidroga Husten- und Bronchialtee
  • Sidroga Verdauungs- und Gallentee
  • Tetesept Hals & Rachenspray

Weitere Informationen

Isländisch Moos ist botanisch gesehen kein Moos, sondern eine Flechte. Flechten stellen eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge dar, die in einer Symbiose zusammenleben: Der Pilz bildet die am Boden haftenden Hyphen, mit denen die Flechte Wasser und Nährsalze aufnimmt, die Alge ist für die Photosynthese zuständig. Flechten sind besonders an kühlen, feuchten Orten üppig entwickelt, können aber auch Trockenheit sowie hohe und extrem tiefe Temperaturen über längere Zeit ertragen. Trotz ihres bitteren Geschmacks diente die Flechte Tieren und Menschen der arktischen Länder in Notzeiten als Nahrung.

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