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ARZNEIPFLANZEN

Johanniskraut

Bereits die Römer nutzten Johanniskraut als Heilpflanze. Bis vor wenigen Jahren geriet es in Vergessenheit, erlebt jedoch derzeit eine erstaunliche Renaissance: Es ist zum Star unter den pflanzlichen Antidepressiva geworden.
Annette Immel-Sehr
28.05.2020
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Foto: Fotolia/M. Schuppich
Foto: PZ/Ullrich Mies
Foto: PZ/Ulrich Mies

Im Überblick

NAME
Tüpfel-Johanniskraut
BOTANISCHER NAME
Hypericum perforatum
FAMILIE
Hartheugewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Hypericaceae
WEITERE NAMEN
Tüpfel-Hartheu, Blutkraut, Johannisblut, Sonnenwendkraut

Merkmale

  • Etwa 60 cm hohe krautige Pflanze
  • traubig stehende 5-zählige gelbe Blüten
  • zahlreiche lange Staubblätter
  • kleine dunkle Punkte auf den Blütenblättern
  • Blütezeit: Ende Juni bis Spätsommer
  • hohle Stängel, oft zwei einander gegenüberliegende Längsseiten
  • gegenständige, eiförmig-elliptische, bis 3,5 cm lange Laubblätter, drüsig punktiert

Heimat

  • Europa, westliches Asien, Nordafrika
  • Droge stammt vorwiegend aus dem Anbau in Deutschland, Osteuropa und Chile

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • die zur Blütezeit geernteten und dann getrockneten Zweigspitzen mit Blüten, Blättern und Stängeln (Hyperici herba)

Inhaltsstoffe

  • Hypericin
  • Hyperforin
  • Flavonoide und Biflavone
  • Ätherisches Öl
  • Gerbstoffe

Anwendung

leichte depressive Störungen oder leichte bis mittelschwere depressive Episoden

Empfohlene Dosierung

Als wirksam gelten – je nach Art der Herstellung – mindestens 500 bis 9800 mg Extrakt pro Tag. Dies entspricht einer Tagesdosis von 2 bis 4 g Droge.

Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden (selten)
  • allergische Reaktionen der Haut (selten)
  • Photosensibilisierung (selten)

Wechselwirkungen

  • zahlreich und bedeutend
  • durch Stimulation bestimmter Cytochrom-P450-Enzyme vermehrter Abbau anderer Arzneistoffe
  • Wirkungsabschwächung beispielsweise von: Antikoagulanzien vom Cumarintyp, Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Indinavir und anderen Proteasehemmstoffen, Zytostatika, hormonellen Kontrazeptiva – deswegen nicht zusammen anwenden!

Kontraindikationen

Kinder unter 12 Jahren, Schwangere und Stillende

Abgabehinweise

  • 2 bis 4 g fein geschnittenes Johanniskraut mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, nach 5 bis 10 Minuten abseihen.
  • Cave: Mit einer Teezubereitung wird die wirksame Dosis zur Behandlung von Depressionen nicht erreicht.

Zubereitung

  • während der Anwendung intensive UV-Bestrahlung vermeiden
  • vollständige Wirkung erst nach zwei bis drei Wochen

Beispiele für Monopräparate

  • Felis®
  • Hyperforat®
  • Hypericum Stada®
  • Jarsin®
  • Kira®
  • Laif® 900
  • Neuroplant® Aktiv

Beispiele für Kombipräparate

  • Neurapas® balance
  • Sedariston®

Weitere Informationen

Neben Tee und Extrakten gibt es auch ölige Zubereitungen von Johanniskraut. Das sogenannte Johannisöl (Rotöl) wird aus frischen Johannis­krautblüten hergestellt. Eine ent­sprechende Vorschrift findet sich im Ergänzungsbuch zum DAB 6 (Erg.-B. 6). Die frischen Blüten werden zerquetscht, mit Olivenöl (1:4) übergossen und in einem hellen Glas­behälter unter häufigem Umschütteln über sechs Wochen an einem warmen und sonnigen Ort extrahiert. Dabei färbt sich das Öl durch das aus den drüsigen Ölbehältern der Blüten austretende rote Hypericin dunkelrot. Gemäß Kommission E eignen sich ölige Johanniskraut- ­Zubereitungen zur Behandlung von kleinen Wunden, bei Myalgien (Muskelschmerzen) und Verbrennungen 1. Grades.

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