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ARZNEIPFLANZEN

Kamille

Im Arzneischatz der Völker nimmt die Echte Kamille seit der Antike eine Vorrangstellung ein. Das aus den Blüten gewonnene ätherische Öl hat ein sehr großes Wirkspektrum. Daher gilt die Kamille seit alters als Allheilmittel gegen zahlreiche Erkrankungen.
Annette Immel-Sehr
03.06.2020
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Foto: Shutterstock/Zeljko Radojko

Im Überblick

NAME
Kamille
BOTANISCHER NAME
Matricaria recutita L.
FAMILIE
Korbblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Asteraceae
WEITERE NAMEN
-

Merkmale

  • Einjährige krautige Pflanze, 20 bis 50 cm hoch;
  • An den Stängeln zwei- bis dreifach gefiederte Blätter;
  • Blütenköpfchen: gelbe Röhrenblüten, umgeben von circa 15 weißen Zungenblüten; kegelförmig gewölbter hohler Blütenstandsboden;
  • Blütezeit: Mai bis September

Heimat

  • Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien
  • Heute in ganz Europa, Nordamerika und Australien verbreitet, vor allem auf Ödland und Schuttplätzen, an Wegrändern und Feldrainen
  • Hauptanbauländer: Bulgarien, Ungarn, Ägypten, Argentinien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Getrocknete Kamillenblüten (Matricaria flos),
  • Im Europäischen Arzneibuch des Weiteren: Kamillenfluidextrakt (Matricaria extractum fluidum) und Kamillenöl (Matricaria aetheroleum)

Inhaltsstoffe

  • Ätherisches Öl mit α-Bisabolol (Hauptinhaltsstoff), Bisabololoxiden, Matricin und En-in-Dicycloether
  • Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Schleimstoffe

Das breite Wirkungsspektrum der Kamille beruht auf den lipophilen und hydrophilen Inhaltsstoffen, die sich in ihrer Wirkung ergänzen. Nur ein alkoholisch-wässriger Kamillenextrakt hat die in der Mono­graphie Matricariae flos aufgeführten pharmakologischen Eigenschaften.

Anwendung

  • innerlich: entzündliche Erkrankungen und Krämpfe im Magen-Darm-Bereich, zum Beispiel bei Gastritis
  • äußerlich: Haut- und Schleimhautentzündungen, einschließlich Mundhöhle sowie Anal- und Genitalbereich
  • Wundbehandlung bei oberflächlichen Hautverletzungen
  • Erkrankungen der Atemwege, der Stirn- und Nebenhöhlen (Inhalation)

Empfohlene Dosierung

  • Tee: 3- bis 4-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Kamillentee zwischen den Mahlzeiten warm trinken oder als Mundspülung oder zum Gurgeln verwenden
  • Badezusatz: 50 g Kamillenblüten auf 10 L Wasser oder einige Tropfen Kamillenöl
  • Inhalation: eine Handvoll Kamillenblüten oder einige Tropfen Kamillenöl auf heißes Wasser geben

Nebenwirkungen

Selten: Allergien

Wechselwirkungen

nicht bekannt

Abgabehinweise

  • Als Arzneimittel ist der alkoholisch-wässrige Kamillenextrakt ist dem Tee vorzuziehen, da er sowohl die lipophilen als auch die hydrophilen Inhaltsstoffe der Kamille enthält.
  • Bei bestehender Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) keine Kamillenzubereitungen anwenden. Es besteht die Gefahr einer Kreuzallergie.

Zubereitung

1 bis 2 TL Droge mit einer Tasse heißem Wasser über­gießen, 10 Minuten ziehen lassen

Beispiele für Monopräparate

  • Frühmesner® veganes Kräuter Ölbad Kamille
  • Kamillin® Robugen
  • Kamillosan®
  • Spitzner® Balneo Kamille Ölbad

Beispiele für Kombipräparate

  • Iberogast® Tinktur
  • Kamillin® Mundspray Robugen
  • Myrrhinil® Intest Dragees
  • Weleda Bio Bäuchlein-Tee
  • Zirkulin® Propolis-Hautsalbe

Weitere Informationen

Historisches zur Kamille:

  • 1882: Das Deutsche Arzneibuch DAB 2 führt die Blüten der Echten Kamille (Matricaria recutita L. oder Chamomilla recutita L.)
  • 1921: erstes Patent für die Herstellung von Kamillenextrakt
  • 1930er-Jahre: erste pharmakologische Studien mit Kamillenextrakt
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