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ARZNEIPFLANZEN

Kümmel

Echter Kümmel ist nicht nur ein Gewürz sondern wird auch wegen seiner verdauungsfördernden Wirkung. Daher ist die Arzneipflanze in vielen Magen-Darm-Tees zu finden.
Annette Immel-Sehr
15.04.2020  14:01 Uhr
Frisch gestoßener Kümmel ist so intensiv, dass er viele andere Gewürze überdeckt. / Foto: Okapia/Hans Reinhard

Im Überblick

NAME
Echter Kümmel
BOTANISCHER NAME
Carum carvi
FAMILIE
Doldengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Apiaceae
WEITERE NAMEN
Wiesenkümmel

Merkmale

  • zweijährige Pflanze
  • im ersten Jahr nur Blattrosette
  • im zweiten Jahr bis zu 1 m hoher, verzweigter Spross
  • 2- bis 3-fach gefiederte Blätter mit schmalen Fiedern
  • zahlreiche kleine weiße bis rosa gefärbte Blüten, angeordnet in 8- bis 16-strahligen Dolden
  • Blütezeit Mai bis Juli
  • 3 bis 6 mm lange braune Spaltfrüchte mit 5 hellen, kantig hervortretenden Rippen, sichelförmig gekrümmt

Heimat

  • Europa und Asien
  • Droge stammt aus Kulturen in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Ägypten

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • reife Früchte (Carvi fructus)
  • Kümmelöl (Carvi aetheroleum)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl (unter anderem D-Carvon, Limonen und weitere Monoterpene)
  • fettes Öl
  • Proteine
  • Kohlenhydrate

Anwendung

Die Anwendung von Kümmel ist medizinisch anerkannt, innerlich, bei

  • dyspeptischen Beschwerden wie leichten, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, bei Völlegefühl und Blähungen (ESCOP, Kommission E)
  • blähenden Koliken bei Kindern und dem Roemheld-Syndrom (ESCOP)

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: mehrmals täglich eine Tasse Kümmeltee warm ­trinken
  • Kümmelöl: mehrmals täglich 3 bis 5 Tropfen auf einem Stück ­Zucker oder in Wasser einnehmen

Nebenwirkungen

selten allergische Reaktion

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • Allergie gegen Doldenblütler (Apiaceae)
  • Leberschäden, Gallenbeschwerden

Abgabehinweise

  • angdauernde Aufnahme hoher Dosen von Kümmelöl kann zu Leber- und Nierenschäden führen.
  • Allergien sind besonders bei den Patienten zu erwarten, die auf andere Apiaceen wie Sellerie oder auf Asteraceen wie Beifuß allergisch reagieren – sogenanntes Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom.

Zubereitung

Kümmel vor der Teezubereitung zerstoßen. Für Erwachsene 1 bis 5 g frisch zerkleinerten Kümmel mit 150 ml heißem Wasser übergießen (nicht kochen!), 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen, für Kinder (4 bis 10 Jahre) 1 bis 4 g Droge, für Kleinkinder (1 bis 4 Jahre) 1 bis 2 g ­verwenden.

Beispiele für Monopräparate

  • Windsalbe Herbaria Kräuterparadies GmbH (enthält Kümmelöl)

Beispiele für Kombipräparate

  • Carmethin (enthält Kümmelöl)
  • H&S Magen- und Darmtee mild
  • Iberogast
  • Midro Tee
  • Ramend Abführtee (enthält Kümmelöl)
  • Sidroga Fenchel Anis Kümmel Tee

Weitere Informationen

Verwendung in der Küche:

  • Kümmel wird als Gewürz wegen seines Aromas und wegen seiner verdauungsfördernden Wirkung in vielen Ländern geschätzt. Doch es muss behutsam dosiert werden, denn frisch gestoßener Kümmel ist so intensiv, dass er viele andere Gewürze überdeckt.
  • Im Gewürzregal eines gut sortierten Supermarkts finden sich neben dem klassischen Kümmel noch andere Gewürze mit ähnlichem Namen: Kreuzkümmel und Schwarzkümmel. Der Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) – auch als Cumin bezeichnet – zählt zwar ebenso zur Familie der Doldenblütler, ist mit dem Kümmel jedoch nicht näher verwandt. Auch sein Geschmack ist ganz anders. Aus deutscher Sicht lässt er sich vielleicht am ­besten mit »orientalisch aromatisch« beschreiben. Allerdings wird Kreuzkümmel nicht nur im Orient, sondern auch in der südamerikanischen, indischen und afrikanischen Küche häufig eingesetzt.
  • Schwarzkümmel (Nigella sativa), der zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) gehört, ist unter anderem ein beliebtes Brotgewürz und wird gerne für Fladenbrot verwendet. Das Aroma lässt sich schwer beschreiben – leicht scharf, würzig, ätherisch und nussig.
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