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ARZNEIPFLANZEN

Lavendel

Früher erinnerte Lavendelgeruch an das Parfüm älterer Damen. Diese Zeiten sind vorbei, denn dank der Züchtung neuer Sorten hat sich auch ihr Aroma verändert. In der Aromatherapie und der Naturheilkunde ist die Pflanze heute nicht mehr wegzudenken.
Annette Immel-Sehr
02.06.2020
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Foto: Schwabe
Schon beim Anblick beruhigend: Lavendelfelder in Südfrankreich / Foto: picture alliance/blickwinkel
LAvendel-Öl / Foto: Adobe-Stock/FomaA

Im Überblick

NAME
Lavendel
BOTANISCHER NAME
Lavandula angustifolia
FAMILIE
Lippenblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Lamiaceae
WEITERE NAMEN
kleiner Speik

Merkmale

  • 30 bis 60 cm hoher Halbstrauch
  • ca. 5 cm lange, schmale, blaugrüne Blätter
  • untere Blätter weißfilzig behaart, am Rand zum Teil eingerollt
  • blau-violette Blüten aus zweilappiger Oberlippe und etwas kleinerer dreilappiger Unterlippe
  • Blüten in dichten Quirlen stehend
  • Blütezeit Juni bis August
  • kleine glänzend braune Nüsschen

Heimat

  • Mittelmeergebiet
  • Droge stammt aus Frankreich, Spanien und Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Blüten (Lavandulae flos)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl, vor allem Linalylacetat und Linalool
  • Lamiaceen-Gerbstoffe

Anwendung

Die Anwendung ist medizinisch anerkannt.

Innerlich:

  • Unruhezustände, Einschlafstörungen und depressive Verstimmungen; außerdem bei Bauchbeschwerden wie nervöser Reizmagen, Blähungen, nervöse Darmbeschwerden, Roehmheld-Syndrom (ESCOP, Kommission E)


Äußerlich:

  • in Form von Bädern bei Kreislaufbeschwerden (ESCOP, Kommission E)

Das HMPC hat Lavendelblüten und Lavendelöl als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft. Durch klinische Studien belegt ist die Behandlung von Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung.

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 1 bis 2 Teelöffel (0,8 bis 1,6 g) Lavendelblüten mit 150 ml heißem Wasser übergießen (nicht kochen!), 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Den Tee für Kinder (4 bis 10 Jahre) nur mit 1 g Droge zubereiten. Erwachsene, Jugendliche und Kinder mehrmals täglich 1 Tasse Lavendeltee warm trinken.
  • Lavendelöl: Erwachsene und Jugendliche mehrmals täglich 1 bis 4 Tropfen auf einem Stück Zucker oder in Wasser einnehmen. Lavendelöl in Form von Kapseln nach Packungsbeilage anwenden.
  • als Badezusatz 10 bis 100 g Lavendelblüten für ein Vollbad verwenden

Nebenwirkungen

  • Aufstoßen, Übelkeit
  • allergische Hautreaktionen

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • keine Vollbäder bei offenen Wunden, großflächigen Hautentzündungen sowie anderen Hauterkrankungen sowie Fieber, Kreislaufbeschwerden und Herzinsuffizienz
  • Schwangerschaft und Stillzeit, da Untersuchungen zur Unbedenklichkeit fehlen

Abgabehinweise

Lavendelöl nicht bei Säuglingen und nicht im Bereich der Augen anwenden.

Beispiele für Monopräparate

  • Bad Heilbrunner® Beruhigungstee
  • Lasea®
  • Sidroga® Lavendeltee
  • Weleda® Lavendel Entspannungsbad

Beispiele für Kombipräparate

  • Abtei Stress Balance Lavendel + Melisse
  • Doppelherz Lavendel Extrakt + Öl
  • Zirkulin Lavendel Passionsblume

Weitere Informationen

Im Süden Frankreichs erstrecken sich riesige Lavendelfelder. Schon ihr Anblick wirkt beruhigend! Die Pflanzen wachsen in Reih und Glied, damit sie maschinell gepflegt und geerntet werden können. Bevor sich in den 1950er-Jahren Erntemaschinen im Lavendelanbau durchsetzten, wurde Lavendel nicht in Reihen, sondern in Quadraten angebaut. Die Bauern gingen um die Pflanzen herum und schnitten die Blumen am Stilende mit der Sichel ab, bündelten sie zu Garben und ließen diese für ein paar Tage zum Trocknen auf dem Feld liegen.

Echter Lavendel wird noch heute häufig auf diese traditionelle Weise angebaut und geerntet. Was dagegen in der Provence auf den großen Lavendelfeldern wächst, ist dagegen meist Lavandin (Lavandula intermedia), ein Hybrid aus echtem Lavendel und breitblättrigem Lavendel (Lavandula latifolia), auch Speiklavendel genannt. Lavandin ist besonders ertragreich und wird zur Herstellung von Parfümen und Seifen verwandt.

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