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ARZNEIPFLANZEN

Maiglöckchen

Die schneeweißen Blüten und der berauschende Duft verzauberten die Menschen schon immer: Das Maiglöckchen ist eine beliebte Zierpflanze für den Garten und dank ihres charakteristischen Duftes außerdem Bestandteil vieler Parfums und Kosmetika. Früher wurden Teile der Pflanze auch medizinisch genutzt.
Luisa Burgers
01.12.2020  16:19 Uhr
Foto: Adobe Stock/Ikan_Leonid
Foto: Adobe Stock/Ikan Leonid

Im Überblick

NAME
Maiglöckchen
BOTANISCHER NAME
Convallaria majalis L.
FAMILIE
Spargelgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Asparagaceae
WEITERE NAMEN
Faltrianblume, Mairöschen, Maiblume, Maililie, Springauf, Talblume, Zauke

Merkmale

  • 10 bis 25 Zentimeter hohe mehrjährige Pflanze
  • aufrecht wachsender kantiger Stängel
  • glattrandige breit-lanzettliche elliptische dunkelgrüne Blätter
  • Blätter und Stängel sind in etwa gleich lang
  • einseitige Blütentrauben aus fünf bis zehn Einzelblüten
  • weiße, glockenförmige Blüten
  • Blütezeit Mai bis Juni
  • kleine rote Beeren-Früchte

Heimat

  • Europa
  • Nordamerika

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • zur Blütezeit geerntetes getrocknetes Kraut, bestehend aus Blättern, Blüten und Stängeln (Maiglöckchenkraut - Convallariae majalis herba)

Inhaltsstoffe

  • herzwirksame Steroidglykoside mit Convallatoxin
  • Saponine

Anwendung

  • Keine Bewertung durch das HMPC vorhanden.
  • Früher wurde die Droge gemäß Kommission E gegen Herzinsuffizienz eingesetzt. Heutzutage werden einige wenige herzwirksame Steroidglykoside nur noch als isolierte Reinsubstanzen eingesetzt. Ihre Bedeutung in der Therapie der Herzinsuffizienz ist stark rückläufig.

Nebenwirkungen

  • bei Überdosierung herzwirksamer Glykoside Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Haut- und Augenreizungen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckanstieg, rasender Puls

Wechselwirkungen

  • gleichzeitige Einnahme von Diuretika, v.a. Thiazide und Schleifendiuretika erhöht die Gefahr einer Hypokaliämie und dadurch das Intoxikationsrisiko durch Herzglykoside
  • kaliumspiegelerhöhende Arzneimittel, z. B. Spironolacton, Triamteren und Kaliumsalze begünstigen Herzrhythmusstörungen
  • gleichzeitige Einnahme von Induktoren (Johanniskraut, Barbiturate, etc.) oder Hemmstoffen (Chinidin, Tetrazykline, etc.) von CYP3A und/oder P-Glykoprotein kann den Plasmaspiegel der Herzglykoside verändern
  • verringerte Resorption der Herzglykoside durch Colestyramin und Antazida
  • verstärkte bradykarde Wirkung der Herzglykoside durch Betablocker

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen herzwirksamen Glykosiden
  • ventrikuläre Tachyarrhythmien
  • AV-Block II. und III. Grades
  • Hypokaliämie, -kalzämie, -magnesiämie
  • frischer Mykoardinfarkt
  • hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie
  • gleichzeitige Injektion von Calcium
  • gleichzeitige Einnahme anderer Arzneimittel mit Herzglykosiden
  • Schwangere, Stillende

Weitere Informationen

  • Gefährliche Verwechslung: Laien verwechseln die Blätter des Maiglöckchens leicht mit Bärlauch. Beim Sammeln dieses wertvollen Wildgemüses ist daher ein Geruchstest unerlässlich. Bärlauchblätter riechen stark nach Knoblauch, Maiglöckchenblätter dagegen nicht. Da der Körper die giftigen Inhaltsstoffe des Maiglöckchens nur schlecht resorbieren kann, kommt es nach einem versehentlichen Verzehr von Blättern in der Regel nur zu Übelkeit und Erbrechen. Wegen ihres geringen Körpergewichtes sind Kinder allerdings stärker gefährdet als Erwachsene.
  • Neben der Gefahr der Überdosierung haben Studien gezeigt, dass Herzglykoside lediglich die Symptomatik von Koronarerkrankungen günstig beeinflussen, jedoch nicht die Mortalität. Daher verlieren Herzglykoside zunehmend an Bedeutung.
  • Neuer Wind? Anfang des Jahres 2003 versprach die Erkenntnis »Maiglöckchen lockt Spermien an« den Einsatz in der Fertilitätsmedizin. Die Forscher hatten jedoch lediglich nachgewiesen, dass die „Riechrezeptoren“ auf den Spermien auf starke Düfte mit verstärkter Aktivität reagieren.
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