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ARZNEIPFLANZEN

Meerrettich

Die frische oder getrocknete Wurzel des Meerrettich kommt vorwiegend bei Infektionen zum Einsatz. Der japanische »Kollege« des hiesigen Meerrettich ist der Wasser-Meerrettich, besser bekannt als Wasabi.
Annette Immel-Sehr
17.06.2020  11:47 Uhr
Foto: Adobe Stock/Yaruniv-Studio
Foto: Adobe Stock/photocrew

Im Überblick

NAME
Meerrettich
BOTANISCHER NAME
Armoracia rusticana
FAMILIE
Kreuzblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Brassicaceae
WEITERE NAMEN
Kren, Pferderettich, Pfeifferwurzel, Bauernsenf

Merkmale

  • 40 cm bis 1,5 m hohe ausdauernde kräftige Pflanze
  • kantig gefurchter, hohler Stängel, im oberen Teil ästig
  • grundständige Laubblätter: langgestielt, bis 100 cm lang, kräftig gekerbt, oval-lanzettlich
  • obere Stängelblätter: länglich-lanzettlich
  • senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel, Länge 30 bis 40 cm, Durchmesser 4 bis 6 cm
  • kleine weiße Blüten, in zahlreichen Trauben stehend
  • Blütezeit Mai bis Juli
  • kugelige bis eiförmige schötchenartige Früchte

Heimat

Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

frische oder getrocknete Wurzel (Armoraciae radix)

Inhaltsstoffe

  • Senfölglykoside (Glucosinolate), vor allem Gluconasturtiin und Sinigrin
  • Phenolcarbonsäuren
  • Cumarine
  • Vitamin C

Anwendung

Die Anwendung ist medizinisch anerkannt.

  • innerlich und äußerlich bei Katarrhen der Luftwege(Kommission E)
  • innerlich unterstützend bei Infektionen der ableitenden Harnwege (Kommission E)
  • äußerlich zur hyperämisierenden Behandlung bei leichten Muskelschmerzen (Kommission E)
  • in Kombination mit Kapuzinerkressenkraut zur Besserung der Beschwerden bei akuten entzündlichen Erkrankungen der Bronchien, Nebenhöhlen und ableitenden Harnwege (Zulassung Angocin)

Empfohlene Dosierung

  • Tagesdosis 20 g frische Wurzel bzw. 1 g Meerrettichpulver
  • Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • allergische Reaktionen
  • Schleimhautreizungen

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • Magen- oder Darmgeschwüre
  • Nierenentzündung
  • Alter unter 4 Jahren

Beispiele für Monopräparate

  • Rettich 400 mg Bios Kapseln
  • Rettich 400 mg GPH Hecht-Pharma

Beispiele für Kombipräparate

  • Alpenkraft Kapuzinerkresse-Meerrettich Salus
  • Angocin Anti Infekt N
  • Meerrettich Cranberry Bios

Weitere Informationen

Museumstipp

Wer mehr über Meerrettich erfahren möchte, kann dies im »schärfsten Museum der Welt« tun. Es befindet sich in Baiersdorf in der Fränkischen Schweiz und damit in einem der deutschen Haupt-Anbaugebiete des Meerrettichs. Hier können sich Interessierte über Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Verwendung der scharfen Wurzel informieren.

 

Das Museum wurde von der Schamel Meerrettich GmbH und Co. KG anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums eingerichtet. Nähere Informationen unter www.schamel.de.

 

Japanischer Meerrettich

In den letzten Jahren ist hierzulande der Japanische Meerrettich immer bekannter geworden. Er wird auch als Wassermeerrettich oder Wasabi bezeichnet. Zwar gehört Japanischer Meerrettich ebenfalls zur Familie der Kreuzblütler, doch ist er botanisch nicht näher mit dem heimischen Meerrettich verwandt.

Im Vergleich zu diesem ist Wasabi, das aus dem apfelgrünen Rhizom der Pflanze gewonnen wird, wesentlich schärfer. Diese Schärfe wird von einem charakteristischen frischen Beigeschmack und einer gewissen Süße begleitet. In der japanischen Küche wird Wasabi in kleinen Mengen – oft zusammen mit Sojasauce – zu Fisch-, Fleisch- und Nudelspeisen gereicht. Bekannt sind auch Wasabi-Chips und Wasabi-Knuspererbsen. In Europa ist Wasabi als Pulver oder als Paste erhältlich. Frisch importierte Wurzeln gibt es nur in Spezialgeschäften.