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ARZNEIPFLANZEN

Mönchspfeffer

Mönchspfeffer ist eine der wichtigsten Heilpflanzen der Gynäkologie mit sehr guter Verträglichkeit. Für die Selbstbehandlung sind Agnus-castus-Präparate dennoch nicht geeignet, denn Unregelmäßigkeiten im Zyklus oder Brustschmerzen sollten grundsätzlich zunächst ärztlich abgeklärt werden.
Annette Immel-Sehr
14.07.2020  15:23 Uhr
Mönchspfeffer wird beim prämenstruellen Syndrom und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. / Foto: Getty Images/Joshua McCullough, PhytoPhoto
Die fliederfarbigen Blüten stehen dicht in ährenartigen Blütenständen zusammen. Die Früchte des Mönchspfeffers sind rötlich bis schwarz, sie erinnern an Pfefferkörner. / Foto: Adobe Stock/spline_x

Im Überblick

NAME
Mönchspfeffer
BOTANISCHER NAME
Vitex agnus-castus
FAMILIE
Lippenblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Lamiaceae
WEITERE NAMEN
Keuschlamm, Keuschbaum

Merkmale

  • 3 bis 5 m hoher Strauch
  • hellbraune, vierkantige und fein behaarte Zweige
  • kreuzweise gegenständig stehende Blätter, handförmig geteilt mit 5 bis 7 Fiedern, je 10 cm lang und unterseits weißfilzig behaart
  • wohlriechende kleine zweilippige Blüten, blau bis fliederfarbig, dicht in endständigen ährenartigen Blütenständen
  • Blütezeit Juli bis August
  • 4-samige rötlichschwarze Früchte, an Pfefferkörner erinnernd

Heimat

  • Mittelmeerraum, Westasien
  • Droge stammt aus Wildsammlungen vor allem aus Albanien und Marokko

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

getrocknete Früchte (Agni casti fructus)

Inhaltsstoffe

  • Iridoidglykoside
  • lipophile Flavonoide
  • Diterpene
  • ätherisches Öl
  • fettes Öl

Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

  • prämenstruelles Syndrom einschließlich Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten; außerdem bei Menstruationsstörungen (ESCOP)
  • unregelmäßige Menstruation, prämenstruelle Beschwerden und schmerzende Brüste (Kommission E)
  • als definierter Trockenextrakt: prämenstruelles Syndrom (HMPC)

Empfohlene Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

  • Hautreaktionen, Kopfschmerzen, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden
  • sehr selten schwere allergische Reaktionen mit Gesichtsschwellungen, Atemnot und Schluckbeschwerden

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen möglich mit Dopamin-Agonisten, Dopamin-Antagonisten, Östrogenen und Antiöstrogenen

Kontraindikationen

  • Hypophysentumor
  • Brustkrebs
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Alter unter 18 wegen unzureichender Erkenntnisse

Abgabehinweise

Gynäkologische Beschwerden sollten vor einer Selbstbehandlung grundsätzlich fachärztlich abgeklärt werden.

Beispiele für Monopräparate

  • Agnolyt Madaus
  • Agnus castus Stada
  • Biofem
  • Dr. Böhm Mönchspfeffer
  • Femicur N
  • Mönchspfeffer ratiopharm
  • Sarai

Weitere Informationen

Anaphrodisiakum

Im Mittelalter stand Mönchspfeffer im Ruf, die »fleischliche Lust« zu vertreiben und somit Mönchen ein keusches Leben zu erleichtern. Zu diesem Zweck würzten die Ordensleute ihre Speisen kräftig mit den pfefferähnlich schmeckenden Samen. Von diesem Gebrauch zeugen sowohl die deutschen Namen Mönchspfeffer und Keusch-Lamm als auch der griechisch-lateinische Artname Agnus castus. Agnus leitet sich vom griechischen Wort »agonos« ab und bedeutet »unfruchtbar«; das lateinische »castus« besagt rein, keusch und heilig.

Optisch ähnelt der Mönchspfeffer in den Blättern dem Hanf und in der Blüte dem Schmetterlingsflieder, weshalb es gelegentlich zu Verwechselungen kommt. Ein Erkennungsmerkmal ist der aromatische, salbeiartige Geruch, den Mönchspfeffer verströmt.