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ARZNEIPFLANZEN

Pestwurz

Mit dem Rhizom der gemeinen Pestwurz wollten Ärzte im Mittelalter die Pest-Epidemie bekämpfen – leider blieb dieses Bemühen ohne Erfolg. Heute wird die Heilpflanze in seltenen Fällen noch zur Vorbeugung von Migräne und Spannungskopfschmerz eingesetzt.
Annette Immel-Sehr
16.09.2020  16:10 Uhr
Traubenartige rötlich-weiße Blütenstände und herzförmige Blätter sind Merkmale der Pestwurz. / Foto: Okapia/Manfred Ruckszio
In der Medizin wird das Rhizom der Pestwurz verwendet. / Foto: Adobe Stock/Manfred Ruckszio
Foto: imago/alimdi

Im Überblick

NAME
Pestwurz
BOTANISCHER NAME
Petasites hybridus
FAMILIE
Korbblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Asteraceae
WEITERE NAMEN
Falscher Huflattich, Lattichwurz, Pestillenzwurz, Sonnendächle

Merkmale

  • mehrjährige 15 bis 80 cm hohe Pflanze
  • hohler beschuppter Stängel
  • auffallende rötlich-weiße bis rot-violette Blüten in kleinen Körbchen stehend
  • großer traubenartiger Blütenstand
  • herzförmige Blätter, auf der Unterseite wollig behaart, bis zu 60 cm breit
  • etwa 4 cm dickes bräunliches Rhizom, an den Enden verdickt

Heimat

  • Europa, Nord- und Westasien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Rhizom (Petasitidis rhizoma)

Inhaltsstoffe

  • Sesquiterpene wie Petasin und Isopetasin
  • Pyrrolizidin-Alkaloide
  • ätherisches Öl
  • Schleimstoffe
  • Gerbstoffe

Anwendung

Die Anwendung ist medizinisch anerkannt zur

  • Vorbeugung von Migräne und Spannungskopfschmerz

Empfohlene Dosierung

  • siehe Herstellerangaben

Nebenwirkungen

  • keine bekannt

Wechselwirkungen

  • keine bekannt

Kontraindikationen

  • bestehende Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae)
  • Leberfunktionsstörungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Alter unter zehn Jahren

Beispiele für Monopräparate

  • Petasites Petadolex (Zulassung in Deutschland erloschen; Bezug über Ausland)
  • Verschiedene Homöopathika

Weitere Informationen

Pestwurz enthält in allen Pflanzenteilen mehr oder weniger große Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden. Diese sind lebertoxisch und kanzerogen. Durch moderne Extraktionsverfahren, beispielsweise mit flüssigem Kohlendioxid, ist es möglich, Alkaloid-freie Pestwurz-Extrakte zu gewinnen. Zudem gibt es neue Pestwurzzüchtungen, die keine oder nur noch Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden enthalten.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zählt standardisierten Pestwurzextrakt in einer Dosierung von 150 mg täglich zu den Substanzen der zweiten Wahl für die Migräneprophylaxe.

Im Mittelalter wurde Pestwurz-Rhizom als Mittel gegen die Pest eingesetzt. Mit seiner schweißtreibenden Wirkung sollte es die todbringende Krankheit vertreiben. Leider war das Bemühen wirkungslos.

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