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ARZNEIPFLANZEN

Pfefferminze

Kaum eine Heilpflanze ist so bekannt wie Pfefferminze. Ihren Geschmack erkennt wohl jedes Kind. Dass es die Pfefferminze in mittelalterlichen Klostergärten noch gar nicht gab, dürfte die meisten verwundern.
Annette Immel-Sehr
28.07.2020  14:27 Uhr
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Im Überblick

NAME
Pfefferminze
BOTANISCHER NAME
Mentha x piperita
FAMILIE
Lippenblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Lamiaceae
WEITERE NAMEN
Katzenkraut, Mutterkraut, Schmecker

Merkmale

  • mehrjährige etwa 60 cm hohe Pflanze
  • vierkantiger Stängel
  • kreuzgegenständig stehende dunkelgrüne Blätter
  • blassrote Blüten in dichten Scheinähren

Heimat

  • Europa
  • Hauptanbaugebiete der Droge in Thüringen, Bayern, Spanien und Bulgarien
  • Kulturen für die Gewinnung des Pfefferminzöls vor allem in den USA, Südamerika und Asien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Blätter (Menthae piperitae folium)
  • Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl (Pfefferminzöl), Hauptbestandteile Menthol, Menthon, Menthylacetat
  • Lamiaceen-Gerbstoffe
  • Phenolcarbonsäuren
  • Flavonoide

Anwendung

Pfefferminzblätter

  • Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Gastritis (ESCOP)
  • krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie der Gallenblase und Gallenwege (Kommission E)

 

Pfefferminzöl

  • innerlich: krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (insbesondere Reizdarm-Syndrom) (HMPC)
  • äußerlich: Spannungskopfschmerzen (HMPC)
  • innerlich: Verdauungsbeschwerden wie Flatulenz, Reizdarm-Syndrom, Husten und Erkältungen (ESCOP)
  • äußerlich:  Erkältungen, rheumatische Beschwerden, Spannungskopfschmerzen, Hautsymptome wie Juckreiz, Nesselsucht und schmerzhafte Hautreizungen (ESCOP)
  • innerlich: krampfartige Beschwerden im oberen Gastrointestinaltrakt und der Gallenwege; Colon irritabile, Katarrhe der oberen Luftwege, Mundschleimhautentzündungen (Kommission E)
  • äußerlich: Muskel- und Nervenschmerzen (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 3-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Pfefferminztee warm trinken
  • Pfefferminzöl: 1- bis 2-mal täglich 2 Tropfen auf Zucker oder in Wasser einnehmen
  • äußerlich: Zur Inhalation 3 bis 4 Tropfen Pfefferminzöl auf heißes Wasser geben und inhalieren bzw. bei Kopfschmerzen einige Tropfen Pfefferminzöl (10%ig in alkoholischer Lösung) auf die Schläfen massieren

Nebenwirkungen

  • bei äußerlicher Anwendung: Hautreizungen und Ekzeme
  • bei innerlicher Anwendung: Magenbeschwerden

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • keine innerliche Anwendung von Pfefferminzöl bei Gallensteinleiden, Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündung, Leberschäden
  • Pfefferminzöl: Alter unter 2 Jahren wegen Gefahr eines Glottiskrampfs oder Atemstillstands

Abgabehinweise

bei äußerer Anwendung Pfefferminzöl nicht auf Schleimhäute oder verletzte Haut auftragen, nie im Bereich der Augen

Zubereitung

1,5 g geschnittene Pfefferminzblätter mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen

Beispiele für Monopräparate

  • Divalol Galletropfen
  • Euminz
  • Pfefferminzöl Taoasis

Beispiele für Kombipräparate

  • Carmethin
  • Doloplant
  • Heumann Magentee Solu-Vetan
  • H&S Galle- und Lebertee
  • Sidroga Schlaf- und Nerventee
  • TOP Sabona Creme

Weitere Informationen

In den berühmten Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts oder im bekannten »Garten von Eichstätt« sucht man die Pfefferminze vergeblich. Denn ihre Geburtsstunde war erst am Ende des 17. Jahrhunderts bei einer spontanen Kreuzung zwischen der Wasserminze (Mentha aquatica) und der Ährigen Minze (Mentha spicata ssp. spicata). Die Ährige Minze ihrerseits ist ebenfalls ein Bastard, weswegen die Pfefferminze auch als »Tripelbastard« bezeichnet wird. Sie ist steril und kann nur vegetativ über Ausläufer und Wurzelstücke vermehrt werden.

Ungefähr seit 1750 wurde Pfefferminze nachweislich angebaut und zwar in Mitcham, einem heutigen Stadtteil von London. Seither sind viele Unterarten gezüchtet worden, die sich in Aussehen, Blattfarbe, Blattform, Wüchsigkeit, Resistenzeigenschaften, Winterhärte, Ölgehalt und Ölzusammensetzung unterscheiden. Dennoch ist die »Mitcham«-Pfefferminze immer noch sehr bedeutend.