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ARZNEIPFLANZEN

Rauwolfia

Rauwolfia, die Indische Schlangenwurzel, wird schon seit Jahrhunderten in der indischen Volksheilkunde verwendet. In Europa ist die Wurzel erst seit Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt. Ihr Hauptalkaloid, das Reserpin, wurde jahrzehntelang in der Therapie des Bluthochdrucks und zur Behandlung von Psychosen eingesetzt.
Luisa Burgers
09.02.2021  16:47 Uhr
Foto: Adobe Stock/#CHANNELM2

Im Überblick

NAME
Indische Schlangenwurzel
BOTANISCHER NAME
Rauwolfia serpentina (L.)
FAMILIE
Hundsgiftgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Apocynaceae
WEITERE NAMEN
Schlangenwurz, Schlangenholz, Teufelspfeffer

Merkmale

  • immergrüner, bis zu 100 cm hoher Halbstrauch 
  • verholztes Rhizom, das in 20 bis 40 cm lange graubraune, schlangenartig gedrehte Wurzel übergeht 
  • elliptische gestielte Blätter aus 3- bis 5-zähligen Wirteln 
  • weiß bis rosafarbene Blüten 
  • Röhrenblüten in end- oder blattachselständigen Trugdolden 
  • Blütezeit April bis Mai 
  • erbsengroße Steinfrüchte mit Farbverlauf von grün über rot bis purpur-schwarz 

Heimat

  • nördliches Indien
  • östliches Pakistan 
  • Indonesien 
  • Sri Lanka 
  • Thailand 
  • südliche chinesische Provinzen 

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Rauwolfia und deren Extrakte werden therapeutisch nicht mehr verwendet.  

Inhaltsstoffe

  • Stärke 
  • Indolalkaloide mit Reserpin 

Anwendung

  • nach HMPC nicht bewertet

Nebenwirkungen

  • erhöhte Magen-Darm-Motilität 
  • geschwollene Nasenschleimhäute 
  • Müdigkeit 
  • Bradykardie 
  • Potenzstörungen 
  • depressive Verstimmungen mit Suizidgefahr 

Wechselwirkungen

  • Einschränkung des Reaktionsvermögens in Kombination mit Alkohol und sedierend wirkenden Arzneimitteln 
  • verstärkte Wirkung von Neuroleptika und Barbituraten 
  • verminderte Wirkung von Levodopa 
  • Blutdruckerhöhung bei gleichzeitiger Einnahme von Sympathomimetika 

Kontraindikationen

  • Depression 
  • Magen-Darm-Ulcera 
  • Schwangere, Stillende 
  • Tumor des Nebennierenmarks mit gesteigerter Noradrenalinproduktion 

Beispiele für Kombipräparate

  • verschiedene Homöopathika 

Weitere Informationen

1952 gelang erstmals die Isolation von Reserpin aus Rauwolfia serpentina und dessen Strukturaufklärung. Schon zwei Jahre später wurde das Alkaloid zur Behandlung von Psychosen eingesetzt – vorübergehend war es eine der meist angewendeten Substanzen zur Therapie psychiatrischer Erkrankungen. Auch in der Therapie des Bluthochdrucks spielte Rauwolfia lange Zeit eine wichtige Rolle. Aufgrund erheblicher Nebenwirkungen werden die Droge, deren Extrakte sowie Reserpin heute allerdings nicht mehr verwendet.

Der Artname „serpentina“ (lateinisch serpens = Schlange) verweist auf die schlangenartig gewundene Form der Wurzel, die auch in dem englischen „Indian Snakeroot“ und dem französischen „Racine de serpentine“ zum Ausdruck kommt. Rauwolfia wird vor allem aus Wildvorkommen in Indien, Pakistan, Birma, Thailand und Malaysia gesammelt oder dort in Plantagen angebaut. In den Kulturen werden die Wurzeln - der Pflanzenteil mit dem höchsten Alkaloidgehalt - meist Ende Oktober bis Anfang November geerntet. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die oberirdischen Pflanzenteile in der Ruhephase. Die Sammler graben die unterirdischen Teile aus, befreien sie von anhaftender Erde, schneiden sie grob in Stücke und trocknen diese im Schatten. Um die Regeneration der Pflanze zu ermöglichen, sollen sie einen Teil der Wurzel belassen und wieder mit Erde bedecken. Wegen Gefährdung der Wildbestände wurde der Export in Indien im Jahr 1997 verboten. 

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