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ARZNEIPFLANZEN

Rizinus

Wunderbaum oder Wunderpalme – diese umgangssprachlichen Bezeichnungen des Rizinusstrauchs weisen darauf hin, dass dieser Pflanze besondere Eigenschaften nachgesagt werden. Doch Vorsicht: Die Samenschalen enthalten das giftige Rizin.
Annette Immel-Sehr
16.09.2020  17:21 Uhr
Die aparten Blütenstände und die rötlichen Blätter machen den Rizinusstrauchs zu einer beliebten Zierpflanze. Hobbygärtner sollten jedoch wissen, dass die Samen dieser Arzneipflanze giftig sind. / Foto: Okapia/imageBROKER/Justus de Cuveland
Die Schalen der hübschen Rizinussamen enthalten das toxische Rizin. / Foto: Okapia/Manfred Ruckszio

Im Überblick

NAME
Rizinusstrauch
BOTANISCHER NAME
Ricinus communis
FAMILIE
Wolfsmilchgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Euphorbiaceae
WEITERE NAMEN
Wunderbaum, Wunderpalme

Merkmale

  • baumartiger Strauch, in gemäßigten Zonen 2 m hoch, in den Tropen bis zu 12 m hoch
  • große, lang gestielte, handförmig gelappte, grünliche oder rötliche Blätter 
  • 15 bis 50 cm langer rispiger Blütenstand, im unteren Bereich männliche Blüten, im oberen weibliche
  • Blütezeit August bis Oktober
  • walnussgroße, weich bestachelte, dreifächrige Kapseln mit 3 Samen
  • etwa 1 cm lange Samen mit harter, rötlich-bräunlich marmorierter Schale

Heimat

  • vermutlich Indien oder Äthiopien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • fettes Öl der Samen (Ricini oleum virginale)

Inhaltsstoffe

  • Triricinolein (Triglycerid der Rizinolsäure)
  • Öl-, Linol-, Palmitin- und Stearinsäure
  • ß-Sitosterol

Rizinusöl enthält nicht das giftige Rizin. Durch die vorgeschriebene Kaltpressung der Samen verbleibt dieses im Pressrückstand.

Anwendung

Medizinisch angewendet wird Rizinusöl zur

  • kurzzeitige Behandlung einer gelegentlich auftretenden Obstipation

Empfohlene Dosierung

  • 1 bis 2 Esslöffel beziehungsweise 10 bis 30 ml. Bei der höheren Dosierung tritt die Stuhlentleerung innerhalb von 2 bis 4 Stunden, bei der niedrigen Dosierung nach 6 bis 8 Stunden ein
  • bei Kindern und Jugendlichen: 5 bis 15 ml
  • Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

  • in Einzelfällen krampfartige Magen-Darm-Beschwerden

Wechselwirkungen

  • Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite nicht gleichzeitig, sondern erst nach Darmentleerung einnehmen

Kontraindikationen

  • Darmverschluss
  • akut-entzündliche Darm-Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Bauchschmerzen unbekannter Ursache
  • Gallenwegserkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit

Abgabehinweise

  • nicht länger als 1 bis 2 Wochen einnehmen

Beispiele für Monopräparate

  • Abtei Abführkapseln SN
  • Doppelherz Abführkapseln
  • Raffiniertes Rizinusöl Caelo HV-packung
  • Rizinusöl raffiniert Lamotte 
  • Zirkulin raffiniertes Rizinusöl

Weitere Informationen

Der Rizinusstrauch ist wegen seines aparten Aussehens und seines schnellen Wuchses hierzulande als Zierpflanze beliebt. Innerhalb weniger Monate kann sich aus dem Samen ein zwei Meter hoher Strauch entwickeln. Wer kleine Kinder hat, sollte allerdings vorsichtig sein. Die Schalen der hübschen Rizinussamen enthalten das toxische Rizin. Der Verzehr von nur fünf bis sechs Samen kann für ein Kind bereits tödlich sein, wenn die Schale gekaut wird. Beim Verschlucken der ganzen Samen ist die Vergiftungsgefahr dagegen eher gering.

Die hochgiftige Substanz Rizin wurde in der Vergangenheit immer wieder für Morde verwendet. Bekannt wurde das sogenannte Regenschirm-Attentat auf den bulgarischen Dissidenten Georgi Markow im Jahr 1978. Dabei verletzte der Täter das Opfer auf der Londoner Waterloo Bridge scheinbar zufällig mit einer Regenschirmspitze. In der präparierten Schirmspitze steckte – wie man später herausfand – ein Kügelchen mit Rizin, welches in den Unterschenkel des Opfers injiziert wurde. Markov starb vier Tage später. Welcher Geheimdienst das Attentat in Auftrag gegeben oder ausgeführt hatte, wurde nie geklärt.

Im Jahr 2018 plante ein Islamist in Köln offenbar einen Biobomben-Anschlag mit aus Rizinussamen gewonnenem Rizin. Der Anschlag konnte verhindert werden.

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