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ARZNEIPFLANZEN

Rosskastanie

Die Rosskastanie hat eine Vielzahl an Heilwirkungen. Am bekanntesten ist wohl ihre Wirkung auf das Gefässsystem. Sie wird daher gerne innerlich wie äusserlich bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Beinschwellungen oder auch Wadenkrämpfen angewendet.
Annette Immel-Sehr
22.09.2020  17:09 Uhr
Die Effekte der Rosskastanie bei chronisch venöser Insuffizienz sind gut belegt. / Foto: Getty Images/Lou Paintin

Im Überblick

NAME
Rosskastanie
BOTANISCHER NAME
Aesculus hippocastanum
FAMILIE
Seifenbaumgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Sapindaceae
WEITERE NAMEN
Gewöhnliche Rosskastanie, Gemeine Rosskastanie, Weiße Rosskastanie

Merkmale

  • bis zu 30 m hoher sommergrüner Baum mit dicht belaubter Krone
  • charakteristische 5- bis 7-zählig gefingerte Blätter an bis zu 20 cm langen Stielen
  • einzelne Fiederblätter 9 bis 18 cm lang und bis 10 cm breit
  • weiße bis rosarote Blüten in aufrechten bis zu 30 cm langen Rispen
  • Blütezeit April bis Mai
  • grüne stachelige 5 bis 7 cm große Kapselfrüchte mit bis zu 3 kugeligen Samen

Heimat

  • Balkan, Türkei
  • Droge stammt aus osteuropäischen Ländern

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Samen (Hippocastani semen)
  • Inhaltsstoffe
  • Triterpensaponine (Aescin)
  • Stärke
  • fettes Öl
  • Proteine

Anwendung

Die Anwendung der Rosskastanie ist medizinisch anerkannt für

  • chronisch venöse Insuffizienz (CVI) mit den typischen Symptomen Beinschwellungen, Krampfadern, schwere, schmerzende und müde Beine, Juckreiz und Spannungsgefühl in den Waden oder Wadenkrämpfe

Empfohlene Dosierung

  • Rosskastaniensamen sollten oral nur in Form von Fertigarzneimitteln angewendet werden, die einen auf Triterpensaponine (Aescin) standardisierten Trockenextrakt enthalten.
  • Als wirksam gelten Präparate mit einer Tagesdosis von 100 mg Aescin.
  • Topische Zubereitungen sollten 1 bis 2 Prozent Aescin enthalten und mehrmals täglich aufgetragen werden. Ihre Wirksamkeit ist allerdings nicht in klinischen Studien nachgewiesen.

Nebenwirkungen

  • Kopfschmerzen
  • Magenbeschwerden (vor allem bei unretardierten Präparaten)
  • Übelkeit
  • Juckreiz (auch bei äußerlicher Anwendung)

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • während Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden, da Untersuchungen zur Unbedenklichkeit fehlen
  • bei eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion oder bei Einnahme von Gerinnungshemmern nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden

Abgabehinweise

Bei einer Entzündung der oberflächlichen Venen, bei subkutanen Verhärtungen, starken Schmerzen, Geschwüren oder plötzlichem Anschwellen der Beine ist unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.

Beispiele für Monopräparate

  • Aescusan® retard
  • Aescuven®
  • Plissamur®
  • Venoplant® retard S
  • Venostasin® retard
  • Venen-Tabletten Stada® retard

Beispiele für Kombipräparate

  • Beinol® Franzbranntwein mit Rosskastanie
  • Dr. SachersWeinlaub+Rosskastanien-Gel Axisis

Weitere Informationen

Der Artname hippocastanum setzt sich aus den griechischen Worten hippos = Pferd und kastanon = Kastanie zusammen und erinnert daran, dass Kastanien früher als Pferdefutter verwendet wurden. Zudem galten sie als Hustenmittel für Pferde. Wahrscheinlich beruht auch die deutsche Bezeichnung »Rosskastanie« auf der Verwendung als Pferdefutter. Kastanien schmecken allerdings auch Schweinen, Wildschweinen und Rothirschen und sind wegen ihres hohen Stärkeanteils ein nahrhaftes Futter. Beim Menschen kann der Verzehr dagegen Übelkeit und Magenbeschwerden hervorrufen. Für die menschliche Ernährung eignen stattdessen sich die sogenannten Esskastanien, regional auch als Maronen oder Keschde bezeichnet. Sie sind die Früchte der Echten oder Edel-Kastanie (Castanea sativa). Dieser Baum ist kein Verwandter der Rosskastanie, sondern gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae). In vergangenen Jahrhunderten waren Maronen das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung in den Bergregionen Südeuropas.