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ARZNEIPFLANZEN

Schöllkraut

Das Schöllkraut hat eine lange Tradition in der volksmedizinischen Verwendung, schon in der Antike war sie eine beliebte und vielseitig eingesetzte Heilpflanze.
Annette Immel-Seh
23.09.2020  12:30 Uhr
Foto: Getty Images/Pali137
Foto: Fotolia/goldbany

Im Überblick

NAME
Schöllkraut
BOTANISCHER NAME
Chelidonium majus
FAMILIE
Mohngewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Papaveraceae
WEITERE NAMEN
Warzenkraut, Goldwurz, Marienkraut, Teufelsmilchkraut

Merkmale

  • 30 bis 60 cm hohe mehrjährige Staude mit kurzem gelblichem Wurzelstock
  • verzweigter und abstehend behaarter Stängel
  • unpaarig buchtig-gefiederte Blätter, oberseits hellgrün, unterseits blaugrün und bereift
  • orangegelber Milchsaft, der beim Verletzen der Pflanze austritt
  • 1 bis 2 cm große Blüten aus vier gelben Kronblättern und zahlreichen Staubblättern, zu zweit bis zu sechst in endständigen lockeren Dolden stehend
  • Blütezeit Mai bis September
  • zahlreiche kleine eiförmige schwarze Samen in etwa 5 cm langen, schmalen Schoten
  • Samen tragen weißliches, süß-klebriges, öliges Anhängsel (Elaiosom)

Heimat

  • subarktische bis mediterrane Zonen Europas, gemäßigte und subarktische Gebiete Asiens
  • Droge stammt vorwiegend aus Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknetes Kraut (Chelidonii herba)

Inhaltsstoffe

  • Alkaloide (zum Beispiel Coptisin, Chelidonin, Sanguinarin)
  • Chelidonsäure
  • Kaffeesäurederivate

Anwendung

  • ESCOP: leichte Krämpfe im oberen Magen-Darm-Trakt, leichte Gallenbeschwerden sowie dyspeptische Beschwerden wie Blähungen
  • Kommission E: krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts
  • Der Ausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur »Herbal Medicinal Product Committee« (HMPC) stuft das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Schöllkraut als negativ ein.
  • In der Volksmedizin wird der frische Milchsaft des Schöllkrauts zur Behandlung von Warzen verwendet.

Empfohlene Dosierung

  • Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

  • selten, besonders bei hohen Dosier­ungen Anstieg der Leber­enzymwerte und des Bilirubins bis hin zu arzneimittelbedingter Hepatitis und Leberversagen

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • bestehende oder frühere Lebererkrankungen, Gallensteinleiden oder Verschluss der Gallenwege
  • gleichzeitige Einnahme von Arzneimitteln mit leberschädigenden Eigenschaften
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder unter drei Jahren

Abgabehinweise

Bei Zeichen einer Leberschädigung (Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, entfärbter Stuhl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) Einnahme sofort beenden und einen Arzt aufsuchen.

Zubereitung

Wegen möglicher Nebenwirkungen soll Schöllkraut nicht als Tee angewendet werden.

Beispiele für Kombipräparate

  • Iberogast®
  • Außerdem verschiedene Homöo­pathika, zum Beispiel Choleodoron Tropfen Weleda, Hepar-Hevert Lebertabletten/-tropfen, Hepeel® N

Weitere Informationen

Nach jahrelangem Streit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat der Pharmakonzern Bayer im September 2018 eingelenkt: Die Packungsbeilage des Magen-Darm-Mittels Iberogast wird geändert und ein Warn­hinweis zu möglichen Leberschäden durch Schöllkraut aufgenommen. Bereits 2008 hatte das BfArM die Hersteller Schöllkraut­-haltiger Arzneimittel aufgefordert, auf die Gefahr einer Leber­schädigung hinzuweisen und die Einnahme für Schwangere und stillende Frauen vollständig auszuschließen.

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