PTA-Forum online
ARZNEIPFLANZEN

Stechapfel

Stechapfel ist neben Tollkirsche und Bilsenkraut ein klassisches Nachtschattengewächs, das von vielen Völkern als Rauschdroge für religiöse und magische Rituale verwendet wurde. Das enthaltene Scopolamin sowie dessen Derivate werden heute therapeutisch verwendet, etwa bei Reiseübelkeit und Krämpfen.
Luisa Burgers
16.02.2021  17:11 Uhr
Foto: Getty Images/Alisa Gabliya

Im Überblick

NAME
Stechapfel
BOTANISCHER NAME
Datura stramonium L.
FAMILIE
Nachtschattengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Solanaceae
WEITERE NAMEN
Gemeiner Stechapfel, Weißer Stechapfel, Kratzkraut, Stachelnuss, Teufelsapfel

Merkmale

  • einjährige, 120 cm bis zu 2 m hohe Pflanze 
  • buschiger Wuchs 
  • kahler, aufrecht wachsender, gabelartig verzweigter Stängel 
  • dunkelgrüne, eiförmig zugespitzte, unregelmäßig gelappte oder gezähnte Blätter
  • weiße, einzeln stehende, kurz gestielte Blüten in den Verzweigungen des Sprosses 
  • trompetenförmige fünfzipfelige Blütenkrone 
  • Blütezeit Juli bis September 
  • walnussgroßer stacheliger viergeteilter Fruchtstand 
  • blauschwarze kleine nierenförmige Samen 

Heimat

  • gesamte Nordhalbkugel 
  • Westasien 
  • Südamerika 

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Blätter oder getrocknete Blätter mit den blühenden und gelegentlich Früchte tragenden Zweigspitzen (Stramonii folium) 

Inhaltsstoffe

  • Tropanalkaloide, wie Hyoscyamin und Scopolamin

Anwendung

  • Wegen der nicht ausreichend belegten Wirksamkeit und des hohen toxikologischen Risikos werden Stramoniumblätter und Zubereitungen daraus medizinisch nicht mehr verwendet. Moderne allopathische Arzneimittel enthalten statt des Drogenextrakts das reine Scopolamin.  

Nebenwirkungen

  • Scopolamin: Mundtrockenheit, Pupillenerweiterung, Hautrötung, Herzrasen, Unruhe, Verwirrtheit 

Beispiele für Monopräparate

reines Scopolamin:

  • Boro-Scopol® N Augentropfen (verschreibungspflichtig),  
  • Scopoderm TTS® transdermales Pflaster (verschreibungspflichtig) 

Beispiele für Kombipräparate

  • verschiedene Homöopathika 

Weitere Informationen

Der Gemeine Stechapfel enthält in allen Teilen stark giftige Tropanalkaloide, vor allem Hyoscyamin und Scopolamin. In den Blüten und Samen ist der Alkaloidanteil mit etwa 0,65 Prozent am höchsten. Schon das tiefe Einatmen des Blütenduftes kann leichte Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Die Zusammensetzung der Tropanalkaloide schwankt je nach Alter: Junge Pflanzen enthalten vorwiegend Scopolamin, in älteren Pflanzen überwiegt der Hyoscyamin-Anteil.
Tropanalkaloide gehören zu den Parasympatholytika, da sie Muscarin-Rezeptoren blockieren. Dies führt zu einer Erschlaffung der glatten Muskulatur in den Bronchien, im Magen-Darm-Trakt, den Gallenwegen und in der Harnblase. Außerdem kommt es zu einer Erweiterung der Pupillen durch Lähmung des Musculus sphincter pupillae, verbunden mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks.

N-Butylscopolaminiumbromid ist ein halbsynthetisches Derivat des Scopolamins. Da es anders als Scopolamin die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann, wirkt es nicht zentral. Es wird als Spasmolytikum für den Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt eingesetzt (Buscopan®).

TEILEN
Datenschutz