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ARZNEIPFLANZEN

Stiefmütterchen

Die wilde Form des Stiefmütterchens ist eine vielfältige Heilpflanze, die dank ihrer milden Eigenschaften vor allem auch von Kindern gut vertragen wird. Es eignet sich gut als Hausmittel und wirkt dabei besonders gegen Hautentzündungen.
Annette Immel-Sehr
23.09.2020  14:22 Uhr
Foto: Getty Images/Hana-Photo
Adobe Stock/Cora Müller

Im Überblick

NAME
Wildes Stiefmütterchen
BOTANISCHER NAME
Viola tricolor L.
FAMILIE
Veilchengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Violaceae
WEITERE NAMEN
Ackerveilchen, Dreifaltigkeitsblume, Sinnviole, Tag- und Nachtveigerl

Merkmale

  • ein- oder mehrjährige, 10 bis 40 cm hohe, krautige Pflanze
  • kantiger, meist behaarter Stängel, auch verästelt
  • wechselständige Blätter, die unteren herzeiförmig, die oberen elliptisch länglich oder lanzettlich mit gekerbtem Rand
  • 1,5 cm große, meist dreifarbige Blüten an langem Stiel
  • 5 spitze, ungleiche Kelchblätter und 5 ungleiche Kronblätter, deren größtes gespornt ist – die oberen zwei Kronblätter meist blauviolett, das untere gelb und die beiden seitlichen weiß oder blauviolett
  • Blütezeit Mai bis Oktober
  • zahlreiche 1 mm große Samen in ellipsenförmiger Kapsel

Heimat

  • Europa und Asien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Blätter, Stängel und Blüten (Violae herba cum flore)
  • Droge vorwiegend aus Wildsammlungen und Kulturen in den Niederlanden

Inhaltsstoffe

  • Flavonoide, vor allem Rutin
  • Salicylsäurederivate
  • Pflanzensäuren
  • Anthocyane
  • Schleimstoffe

Anwendung

  • Hautprobleme wie Ekzeme, Seborrhoe, Impetigo, Akne, Milchschorf und Windeldermatitis (innere und äußerliche Anwendung) (ESCOP)
  • leichte seborrhoische Hauterkrankungen, Milchschorf (äußerliche Anwendung) (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • Äußerliche Anwendung: 3-mal täglich wässrige Abkochung in Form eines Umschlags auf die betroffenen Hautstellen geben; die wässrige Abkochung kann auch als Badezusatz verwendet werden.
  • Teeaufguss: 1- bis 3-mal täglich eine Tasse Stiefmütterchentee. Tagesdosis 9 g Droge.

Nebenwirkungen

  • Keine bekannt

Wechselwirkungen

  • Keine bekannt

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten

Abgabehinweise

  • Zubereitungen nicht auf offene Wunden und große Areale be­schädigter Haut auftragen.
  • Von einer Anwendung von Stief­mütterchen­kraut während der Schwangerschaft und Stillzeit ist abzuraten, da keine Unter­suchungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.
  • Dies gilt auch für die innerliche Anwendung bei Kindern und Jugend­lichen. Äußerlich kann Stiefmütterchenkraut bei Kindern ab zwölf Jahren angewendet werden.

Zubereitung

  • 3 g Stiefmütterchenkraut mit Blüten mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 Minuten abseihen.
  • Für Umschläge eignet sich eine wässrige Abkochung von 2 bis 20 g pro Liter Wasser, als Badezusatz wird 1 Liter einer Abkochung aus 5 bis 10 g Droge empfohlen.

Beispiele für Monopräparate

  • Stiefmütterchenkraut ist als Tee sowie in Form homöopathischer Zubereitungen im Handel.

Weitere Informationen

Die Blüten des Stiefmütterchens sind bemerkenswert gebaut: Das breite untere Kronblatt bedeckt teilweise die seitlichen Kronblätter und diese wiederum die beiden oberen. Auch die Anordnung der fünf Kronblätter auf den Kelchblättern ist unge­wöhnlich, und sie hat dem Stiefmütterchen vermutlich seinen Namen eingebracht. Dafür musste die aus zahlreichen Märchen bekannte »böse Stiefmutter« herhalten. Denn nach der phantasie­vollen Vorstellung stellt das untere Kronblatt die Stiefmutter dar: Sie sitzt auf zwei Stühlen (= 2 Kelchblätter). Ihr schließen sich die beiden standes­gemäßen Töchter an, die jede über einen eigenen Stuhl verfügen (je 1 Kelch­­blatt). Die beiden oberen Blüten­blätter sind die Stief­­­töchter. Sie müssen sich einen Stuhl teilen und sind überhaupt von den anderen zurückgedrängt.

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