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ARZNEIPFLANZEN

Teufelskralle

Die Form der Früchte gab der Droge ihren Namen: im Griff des Teufels. Sie wird schon lange in der Volksmedizin bei rheumatischen und somatischen Beschwerden eingesetzt. Patienten profitieren von den schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften des Wurzelextraktes.
Annette Immel-Sehr
23.09.2020  15:19 Uhr
Foto: OKAPIA/Hans Reinhard
Foto: OKAPIA/Manfred Ruckszio
Foto: Your Photo Today

Im Überblick

NAME
Teufelskralle
BOTANISCHER NAME
Harpagophytum procumbens
FAMILIE
Sesamgewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Pedaliaceae
WEITERE NAMEN
Afrikanische Teufelskralle, Trampelklette

Merkmale

  • Krautige Pflanze mit bis zu 1,5 m langen, flach auf dem Boden liegenden Trieben
  • gestielte, tief gelappte Blätter
  • in den Blattachsen einzelne circa 5 cm große rotviolette Blüten
  • bis zu 15 cm große Früchte mit mehreren hakenartigen Auswüchsen, die sich nach Aufspringen der Frucht krallenförmig auseinanderspreizen und verholzen

Heimat

  • Savannen im südlichen Afrika (Namibia, Südafrika, Botswana)

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • knollige, von den Seitenwurzeln abgehende sekundäre Speicherwurzeln (Harpagophyti radix)
  • zudem im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.): Teufelskrallen­wurzeltrockenextrakt (Harpagophyti extractum siccum)
  • Laut Europäischem Arzneibuch dürfen auch Wurzeln von Harpagophytum zeyheri verwendet werden.
  • Droge stammt aus Wildsammlungen, zunehmend auch aus Kulturen im südwestlichen Afrika.

Inhaltsstoffe

  • Iridoidglykoside
  • Phenolglykoside
  • Saccharide

Anwendung

  • Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden
  • Schmerzbehandlung bei Osteoarthritis und bei Rückenschmerzen (ESCOP)
  • unterstützende Therapie degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparates (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • Bei Gliederschmerzen beträgt die Tagesdosis 4,5 g Droge, bei Verdauungsbeschwerden 1,5 g Droge.
  • 3 mal täglich eine Tasse Tee
  • Fertigpräparate: Die Tagesdosis sollte bei alkoholischen Extrakten 950 bis 1500 mg Extrakt betragen, bei wässrigen Extrakten 2200 mg.

Nebenwirkungen

  • selten leichte Verdauungsbeschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen
  • sehr selten allergische Reaktionen

Wechselwirkungen

  • Nicht bekannt

Abgabehinweise

  • Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren darf Teufelskralle nicht eingenommen werden, bei Gallenleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
  • Teufelskralle eignet sich weniger zur Behandlung akuter Schmerzzustände als für chronische Leiden. Eine Dauertherapie über viele Monate ist möglich.
  • Der Tee schmeckt so bitter, dass es die Adhärenz beeinträchtigen kann. Alternative: Fertigpräparat.

Zubereitung

  • Tee: 4,5 g beziehungsweise 1,5 g fein geschnittene Teufelskrallenwurzel mit 300 ml kochendem Wasser übergießen, 8 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen, dann abseihen und in drei Portionen trinken.

Beispiele für Monopräparate

  • Arthrotabs®
  • Jucurba®
  • Pascoe-Agil® Rivoltan®
  • Sogoon®

Beispiele für Kombipräparate

  • Rosaxan®, Zirkulin Teufelskralle Hagebutte

Weitere Informationen

Der Name Teufelskralle weist auf die bösartigen und schlecht heilenden Verletzungen hin, die Weidetiere beim Treten in die Früchte erleiden. Der wissenschaftliche Gattungsname Harpagophytum spielt auf ihr Aussehen an (lateinisch harpago = Enterhaken, griechisch phytos = Pflanze).

Die Entdeckung der Teufelskralle für den europäischen Markt ist ein Resultat der deutschen Kolonialzeit in Süd­westafrika, heute Namibia. Um 1904 wurde der ehemalige Soldat und spätere Farmer G. H. Mehnert von Eingeborenen auf die eigentümliche Pflanze aufmerksam gemacht. Die südwestafrikanische Volksheilkunde setzte die Knollen bei einer Vielzahl von Beschwerden ein.

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