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ARZNEIPFLANZEN

Tollkirsche

Die Tollkirsche ist eine heimische Giftpflanze – alle Pflanzenteile sind äußerst giftig. Aus diesem Grund gibt es heute keine Phytopharmaka mehr mit Tollkirschen-Extrakt. Der Inhaltsstoff Atropin wird nur noch als Reinsubstanz in der Augenheilkunde oder im Rahmen einer Narkose eingesetzt.
Annette Immel-Sehr
21.07.2020  14:27 Uhr
Foto: Getty Images/merlinpf
Die Blüten der Tollkirsche sind glockenförmig, innen violett- und außen hellbraun. / Foto: Adobe Stock/etfoto

Im Überblick

NAME
Schwarze Tollkirsche
BOTANISCHER NAME
Atropa belladonna
FAMILIE
Nachtschattengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Solanaceae
WEITERE NAMEN
Dollwurz, Irrbeere, Schwindelkirsche, Teufelskirsche Teaser

Merkmale

  • mehrjährige bis 1,5 m hohe Staude mit sehr ausladenden Ästen
  • dicker, walzenförmiger Wurzelstock
  • bis zu 20 cm lange Blätter
  • aus jeder Blattachsel eine langstielige überhängende Blüte in einem 5-zipfeligen Kelch
  • 5-lappige glockenförmige, innen violettbraune, außen hellbraune Blüten
  • kirschgroße schwarze, stark glänzende, süßlich schmeckende Beeren, sternförmig vom Kelch umgeben
  • Blütezeit Juni bis Oktober

Heimat

Europa, Asien, Nordafrika

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Droge wird nicht mehr verwendet
  • früher: getrocknete Blätter oder getrocknete Blätter mit blühenden und gelegentlich Früchte tragenden Zweigspitzen (Belladonnae folium)

Inhaltsstoffe

  • Tropanalkaloide, wie L-Hyoscyamin, Atropin, Scopolamin
  • Flavonoide
  • Cumarine

Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

  • Wegen der geringen therapeutischen Breite werden Belladonna-Blätter und daraus hergestellte Phytopharmaka heute nicht mehr verwendet.
  • Atropin, ein Hauptinhaltsstoff der Schwarzen Tollkirsche, wird in der Augenheilkunde zur Erweiterung der Pupillen für Augenhintergrund-Untersuchungen eingesetzt. Des Weiteren wird Atropin zur Prämedikation bei Narkosen verwendet. Durch Hemmung der Speichelsekretion, der Schleimsekretion und der Motorik des Magen-Darm-Traktes soll es Komplikationen unter der Operation verhindern.

Beispiele für Monopräparate

  • Atropin-POS® 0,5%
  • Atropinsulfat B. Braun 0,5 mg/ml Injektionslösung

Weitere Informationen

Schöne Augen machen

Die Hinzufügung »belladonna« im botanischen Namen der Giftpflanze heißt übersetzt »schöne Frau«. Angeblich haben sich Frauen früher den Beerensaft in die Augen geträufelt, um attraktiver auszusehen. Die in allen Pflanzenteilen enthaltenen Tropanalkaloide erweitern die Pupillen. Dies lässt die Augen dunkler und verführerischer aussehen.


Sehr gefährlich!

In den Statistiken der Giftnotrufzentralen stehen Vergiftungen mit Tollkirsche an führender Stelle. Menschen vergiften sich vor allem durch den Verzehr der saftigen Beeren, die anders als manche Heilpflanze nicht bitter, sondern süß schmecken. Die Sterblichkeit bei Vergiftungsfällen liegt etwa bei 10 Prozent. Je nach Körpergewicht führen bei Kindern bereits 3 bis 5, bei Erwachsenen 10 und mehr Beeren zum Tod. Die tödliche Dosis von Atropin beträgt 0,1 Gramm.

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