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ARZNEIPFLANZEN

Wacholder

Der Gemeine Wacholder ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum. Seine Früchte werden noch heute sehr geschätzt, als pflanzliches Arzneimittel zur Entwässerung und Unterstützung der Verdauung sowie als Küchengewürz. 
Annette Immel-Sehr
23.09.2020  16:55 Uhr
Foto: Shutterstock/Vladimir Pankov
Foto: Shutterstock/Melica
Foto: iStock/aga7ta

Im Überblick

NAME
Gemeiner Wacholder
BOTANISCHER NAME
Juniperus communis
FAMILIE
Zypressengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Cupressaceae
WEITERE NAMEN
Heidewacholder, Machandelbeeren, Kranewitterbeeren, Reckholderbeeren

Merkmale

  • meist säulenförmiger, immergrüner Strauch oder Baum, bis 11 m hoch
  • zweihäusig (diözisch)
  • bis 20 mm lange nadelförmige, stechende Blätter in 3-blättrigen Quirlen mit blauweißen Wachsstreifen auf der Oberseite
  • Blütezeit April bis Juni
  • unscheinbare gelbliche männliche und weibliche Blüten
  • nach der Bestäubung wachsen die drei obersten Schuppenblätter der weiblichen Blüte fleischig zu einem kugelförmigen Beerenzapfen (Scheinbeeren) zusammen
  • im ersten Jahr nach der Befruchtung grün, im zweiten Jahr schwarz, bläulich bereift, kugelig bis eiförmig
  • meist drei längliche kantige Samen

Heimat

  • Mitteleuropa
  • Droge stammt vorwiegend aus Kroatien, Italien und Albanien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • reife Beerenzapfen (Juniperi pseudofructus)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl
  • Invertzucker
  • Catechingerbstoffe
  • Leucoanthocyane
  • Diterpene

Anwendung

  • zur Verbesserung der renalen Wasserausscheidung und bei dyspeptischen Beschwerden inklusive Appetitlosigkeit (ESCOP)
  • bei dyspeptischen Beschwerden (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 2 bis 3 mal täglich eine Tasse Wacholderbeertee trinken, mittlere Tagesdosis 4 bis 6 g Droge
  • Zur Verbesserung der renalen Wasserausscheidung: Beginnend mit 5 Beeren pro Tag kann die Dosis pro Tag um eine Beere bis auf 15 Beeren täglich gesteigert werden; danach Dosisreduktion wieder absteigend bis auf 5 Beeren pro Tag

Nebenwirkungen

  • Bei Überdosierung riecht der Harn veilchenartig und es treten Schmerzen im Nieren-Blasenbereich auf.

Wechselwirkungen

  • Nicht mit synthetischen Diuretika kombinieren.

Kontraindikationen

  • Nierenerkrankungen

Abgabehinweise

  • Bei einer Durchspülungstherapie reichlich trinken.
  • Ärztlichen Rat einholen, wenn während der Behandlung Fieber, Harnverhalten, Krämpfe beim Wasserlassen oder Blut im Urin auftreten.
  • Nicht bei Schwangeren, Stillenden sowie Kindern und Jugendlichen anwenden, da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor­liegen.

Beispiele für Kombipräparate

  • Die Mehrzahl der Fertigarzneimittel mit Wacholder sind homöo­pathische Kombinationspräparate.
  • Das durch Dampfdestillation aus Beeren und Nadeln des Wacholders gewonnene Wacholderöl wird traditionell bei Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet.
  • Es ist in einer Reihe von Bädern und Einreibungen enthalten.
  • Zudem wird es in der Aromatherapie oder als Saunaaufguss eingesetzt.

Weitere Informationen

Wacholderbeeren sind bei (Hobby-) Köchen sehr beliebt, denn sie geben vielen Gerichten eine besondere Note, zum Beispiel Wild, Fleischmarinaden und Fischsud. Winter­gemüse wie Sauerkraut und Rotkohl werden durch Wacholderbeeren besser verträglich. Wichtig: Die Beeren vor der Zugabe anstoßen, um das ätherische Öl freizusetzen.

Auch bei der Herstellung von Spirituosen sind Wacholder­beeren geschätzt. Ihr hoher Zuckergehalt ermöglicht das Vergären der Beeren mit anschließender Destillation. Je nach Land, Region, Zubereitungsart oder Hersteller heißen Wacholderschnäpse Gin, Genever, Borowiezka, Machandel, Doornkaat oder Steinhäger.

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